Mannheim

Richard-Wagner-Verband Rund 350 Zuhörer in der Pfingstbergkirche / Bariton Joachim Goltz führt als Entertainer durchs Programm

Festlicher Konzertabend der Stipendiaten

Mannheim.Eins steht fest: Seit Monika Kulczinski den Richard-Wagner-Verband Mannheim-Kurpfalz leitet, blickt sie weiter über den Tellerrand hinaus als ihre Vorgängerinnen. Sie hat mit großen Benefiz-Aktionen nicht nur den „Parsifal“ gerettet, sondern zuvor auch schon die „Fledermaus“.

Zum Muttertag organisierte sie nun ein vorwiegend heiteres Opern- und Operettenkonzert „Stipendiaten singen für Stipendiaten“, und obwohl da von Richard Wagner keine Rede war, strömten die Wagnerianer (und nicht nur die) zuhauf in die gläserne Pfingstbergkirche mitten im Wald.

In knappen Grußworten hießen der Hausherr, Pfarrer Hansjörg Jörger, und Monika Kulczinski die 350 Gäste willkommen, ehe sie die Moderation an den Bariton Joachim Goltz weitergaben, der nicht nur der geborene Entertainer ist, sondern auch der einzige echte Mannheimer im Opernensemble des Nationaltheaters (Er wird heute schon als künftiges „Bloomaul“ gehandelt.)

Großartig auch der musikalische Einstieg des Ex-Stipendiaten Goltz mit der deutsch gesungenen Register-Arie aus Mozarts „Don Giovanni“. Danach lobte er zu Recht die sinfonische Fülle des Begleitensembles, das nur aus dem vom fabelhaften Robert Frank geführten Streichquartett und dem ehemaligen Chordirektor Georg Metz (E-Klavier) bestand. Tatsächlich brachte das technisch versierte Ensemble zwei Strauß-Walzer zu voller Wirkung und begleitete die Arien sehr sensibel.

Bühnenreifer Nachwuchs

Bühnenreife darf man den vier Stipendiaten – einem russischen und einem französischen Ehepaar – durchaus schon bescheinigen. Hinreißend sang die junge Julia Pastor das koloraturenreiche Walzerlied „Je veux vivre“ aus Gounods „Roméo et Juliette“ und später das Couplet der Adele aus der „Fledermaus“.

An Bühnenpräsenz ist Julia Pastor dem schwarzgelockten Ehemann noch überlegen, der dennoch sehr respektabel „Non piu andrai“ aus Mozarts „Hochzeit des Figaro“ und das Torerolied aus Bizets „Carmen“ sang.

Auch bei dem jungen russischen Ehepaar haben Sopran und Bariton zueinander gefunden. Evgeniya Selina erzielte mit der heiteren Arie aus Donizettis „Regimentstochter“ stärkere Wirkung als mit der lyrischen „Letzten Rose“ aus Flotows „Martha“. Ilya Lapich gehört zwar noch dem Opernstudio an, hat aber längst die Mannheimer Opernbühne erobert. Riesenbeifall für „Largo al factotum“ aus Rossinis „Barbier“ und „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ aus Lortzings „Wildschütz“.

Noch eine köstlich gespielte Szene mit Goltz („Ach, ich hab’ sie ja nur auf die Schulter geküsst“), danach „Florenz hat schöne Frauen“ mit Pastor/Marignol und das urkomische Katzenduett mit Selina/Lapich.

Der Schlussapplaus war ausgesprochen festlich.