Mannheim

"Girls Go Movie" Preisverleihung beim 13. Festival / „Mädchen wählen grundsätzlich andere Themen als Jungs“

Filmhandwerk im Ferienlager gelernt

Mannheim.„Die jungen Frauen sind introvertierter, sie beschauen erst einmal sich selbst, Kommunikation ist für sie wichtig“, erzählten die beiden Organisatorinnen des Kurzfilmfestivals „Girls Go Movie“ Kathrin Lämmle (Projektleitung und Management) und Ruth Hutter (Künstlerische Leitung). Ihr Fazit nach dem Wettbewerb 2017: „Mädchen wählen grundsätzlich andere Themen als Jungs“. Während sich junge Männer auf Schießereien und die erste Liebe beschränken, fokussieren Mädchen auf ihre Selbstwahrnehmung, auf soziales Verhalten, auf die Zukunft.

Volle Kinosäle

Am vergangenen Wochenende zeigten die Nachwuchsfilmemacherinnen ihre Werke bei „Girls Go Movie“ im Cinemaxx, die Vorführsäle waren proppenvoll. In Ferienlagern hatten die Teilnehmerinnen im Alter zwischen zwölf und 27 Jahren ihr Handwerk gelernt, das alles beinhaltet, was zum Film gehört, wie Schnitt, Ton oder Licht. Bereits zum 13. Mal eine war eine spannende Auswahl an Kurzfilmen zu bewundern, mit aktuellen Themen junger Frauen und den künstlerischen Umgang mit diesen. „Jedes Jahr nehmen wir erneut eine Tendenz zur filmischen Verarbeitung spezifischer Themen wahr. Die Festivalbeiträge sind somit auch immer ein Spiegel gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen – in unserem Fall ein weiblicher Spiegel“, so Kathrin Lämmle.

Wie wenig dieses Angebot vonseiten Verantwortlicher wahrgenommen wird, enttäuschte dagegen die Veranstalterinnen. „Bei den Vorführungen fehlten die Politiker, die dadurch Fragen beantwortet bekämen, aber auch die Lehrer. Filme, wie sie hier gezeigt werden, gehören an Schulen.“ Die jungen Frauen erklären immer wieder, wie wenig sie sich in ihren Nöten ernst genommen und von Erwachsenen nicht verstanden fühlen. Dabei ging es in vielen Beiträgen um gesellschaftsrelevante Fragen, um soziale Kompetenzen und deren Erwerb.

Begleitende Kurse

Die Jugendlichen fragen beispielsweise, wie man mit seinen eigenen Problemen umgeht oder wie einen das Internet verstummen lässt? Zerstört es die Kommunikation? Einen akademischen Anspruch haben die Mädchen absichtlich nicht, denn sie wollen ein breites Publikum erreichen. Um wiederum daraus schöpfen zu können, sind die Aufnahmekriterien weitreichend. Die begleitenden Einführungskurse ermöglichten einen niederschwelligen Zugang zum Medium Film.

„Wir freuen uns über die Nachhaltigkeit des Projekts“, betont Karin Heinelt, Geschäftsführerin des Stadtjugendrings und eine der Gründerinnen von „Girls Go Movie“. Viele der „Ehemaligen“ kommen nach einem Studium oder Ausbildung wieder zum Team zurück.

Darin sieht auch Ruth Hutter einen wichtigen Aspekt des Festivals. „Wie nehmen die Mädchen ernst und zeigen ihnen eine neue Tradition in der Frauenrolle, wir bilden weibliche Vorbilder, stärken ihren Selbstwert.“ Einen eigenen Weg finden ohne männliche Karrieremuster zu imitieren – darin sehen die Organisatorinnen eine bedeutende Aufgabe des Festivals.

In Altersstufen unterteilt

Die Preise teilten sich in zwei Kategorien. In der ersten, der Zwölf- bis 17-Jährigen, gewann als bester Film „Mala tanzt“ von Ella Knorz, als mutigster Film „She saved herself“ von Klara Trede und als bester Gruppenfilm „Shutdown“ über die Absurdität moderner Kommunikation. In der Kategorie der 18- bis 27-Jährigen ging der Preis für den besten Film an „Wunderland“ von Tanja Hurrle, den mutigsten Film hatte Anna Shirin Wenz mit „Ich habe mich selbst gesucht“ gedreht.

Zum ersten Mal in diesem Jahr bekam auch das Festivalteam einen Preis, er wurde Rahel Jung und Georgia Bauer für „Der Ausflug“ verliehen. Daneben durften sich einige Teilnehmerinnen über Sonderpreise der SRH-Hochschule, des Zontaclubs und von metropolregion.tv freuen. Insgesamt addierten sich die Preisgelder auf 3350 Euro.