Mannheim

Natur Das Jahr 2019 präsentiert Gerhard Rietschel mit Tierischem der seltenen Art

Fledermaus und Kiebitz flattern durchs Kalenderblatt

Archivartikel

Mausohrfledermäuse haben keine einzelgängerischen Neigungen, sie hängen gerne in der Gruppe ab, suchen in der Kälte die körperliche Nähe zu Artgenossen und kommen im Januar ganz groß raus: Als Hauptdarsteller im Kalender „Kurpfälzer Naturerlebnisse“ von Gerhard Rietschel präsentieren sie sich kopfüber mit seidigem Fell in einem Dachstuhl. Sie eröffnen das Jahr 2019 mit Innenansichten aus ihrem Winterruhe-Quartier.

Es ist der dritte Tierkalender des Naurschutzbeauftragten der Stadt, und dieses Mal gehört nicht allein den Wanderfalken die Bühne, es geht kreuz und quer durch die Mannheimer Fauna. Aufnahmen seltener Vögel und fleißiger Insekten führen durch Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, wecken im Betrachter Lust auf draußen, um die Naturschauspiele im Freien zu beobachten.

Zum Beispiel den Kiebitz mit seiner unverwechselbaren zweizipfeligen Haube, der auf feuchte Äcker steht. Und sich rar macht. Rietschel kommt ihm trotzdem auf die Spur und zeigt ihn und seine Jungen, die er mit höchster Aufmerksamkeit bewacht.

Als imponierende Größe plustert sich ein halbwüchsiger Uhu im Rheinauhafen auf und schaut mit bernsteinfarbenen Augen aus dem April-Blatt: Das ist die Zeit der jungen Nachtgreife. Die sind dann zwar noch nicht flugfähig, aber beherrschen immerhin schon die Kunst des Radschlagens, um so furchterregend auf Feinde zu wirken, die mit der Kamera auf sie abzielen.

Seltene Momentaufnahmen

Gehört hat ihn jeder schon mal, gesehen die wenigsten: den Kuckuck. Einen ganz jungen Vertreter dieser „Verdränger“ hat Ornithologe Rietschel im Schilfgürtel am Rheinauer See entdeckt, wie er sich als Riesenbaby vom aufopferungsvollen Teichrohrsänger füttern lässt. Dessen Junge hatten keine Chance gegen den viel stärkeren falschen Bruder im Nest, sie wurden rausgeschubst.

Und den Brutpflegeinstikt seiner zierlichen Zieheltern nützt der junge Kuckuck für seine gedeihliche Entwicklung – die Natur kennt keine Moral. Präsentiert werden im großen Format die buntgefiederten Bienenfresser, oder Momentaufnahmen vom Gänsesäger, der mit bizarr gebogenem Schnabel einen Fisch jagt. Er ist ein seltener Gast in der Kurpfalz, ganz im Gegensatz zur Florida-Schmuckschildkröte, einer gepanzerten Art, die sich seit Jahren gut integriert in Stadt und Land. Sie kamen eigentlich als Heimtiere zu uns, wurden gekauft als Ziertiere und später ausgesetzt. Jetzt sind sie an fast jedem Gewässer anzutreffen, haben sich akklimatisiert, kommen zur Eiablage an Land, überstehen sogar milde Winter ohne Schaden.

Der Oktober gehört der Waldohreule, die es im Herbst in die Stadt zieht, wo sie in Gruppen die kalte Saison verbringt. Und im November macht dann ein Jungfuchs hohe Luftsprünge fürs Foto. Noch jagt der Kleine eine Maus, später sucht er sich dann größere Opfer, wie jedes Kind aus dem Lied weiß. Und gerade in den „Jungen“ will der Kalender die Lust wecken an der freien Natur, an den Schauspielen, die es da live und ohne Filter zu erleben gibt.

Der großformatige Kalender „Kurpfälzer Naturerlebnisse 2019“ ist im Verlag Waldkirch erschienen und in Buchhandlungen erhältlich.