Mannheim

Reiss-Engelhorn-Museen Direktor Wilfried Rosendahl führt nun auch das Archäometrie-Zentrum der Curt-Engelhorn-Stiftung

Forscher entlarven Fälscher

Archivartikel

„Das Flaggschiff unserer Forschung fit für die Zukunft machen“ – das hat er sich vorgenommen: Wilfried Rosendahl, einer der Direktoren der Reiss-Engelhorn-Museen, steht nun zusätzlich als Wissenschaftlicher Vorstand an der Spitze des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie, das Echtheit und Alter von archäologischen Funden feststellt. Er folgt auf Ernst Pernicka, der die 2004 gegründete Einrichtung aufgebaut hat, nun aber in Ruhestand geht.

„Es wird aber ein Unruhestand“, freut sich Rosendahl, dass der 69-jährige österreichische Chemiker dem Mannheimer Institut beratend erhalten bleibt. Bekannt wurde Pernicka als Gutachter im Prozess gegen die Hehler der Himmelsscheibe von Nebra. Als Professor der Universität Heidelberg emeritiert, hat ihn die Uni Tübingen als Seniorprofessor berufen – denn die Forscher von Tübingen und Mannheim bauen die Zusammenarbeit aus.

Das in D 6,3 und C 4,8 ansässige Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie verfügt über rund 50 Mitarbeiter. Ihre Hauptaufgabe: Fälscher entlarven. Das Forschungsinstitut mit seinem Reinraumlabor für die Isotopen- als auch für die Spurenelementanalytik sowie modernen Messgeräten für zerstörungsfreie Analysen gilt national, ja sogar international als führend auf seinem Gebiet. Die Forscher können Struktur und Zusammensetzung von Stoffen herausfinden – und damit klären, ob ein Fund echt, wie alt ein Exponat wirklich ist. Das hilft Ausstellungsmachern in Museen ebenso wie Händlern von Kunst und Antiken, wo viele Fälschungen kursieren.

Kooperation mit Uni Tübingen

Neben korrekter Datierung von organischen Materialien oder Metallen können die Mannheimer Experten auch anhand von winzigen Essensresten im Verdauungstrakt einer Leiche feststellen, wann und in welchem Gebiet sie gelebt hat. Die Ausstattung finanzierte zwar die Curt-Engelhorn-Stiftung, „aber die laufenden Kosten können wir durch Aufträge und Drittmittel für Forschungen decken“, so Rosendahl.

Geboren 1966 in Ratingen, studierte er Geologie/Paläontologie, Ur- und Frühgeschichte und Zoologie. 2004 kam er an die Reiss-Engelhorn-Museen, 2016 wurde er Direktor. Er ist als Ausstellungsmacher („Mumien“, „Medici“ oder „Schädelkult“) ebenso wie als Forscher hoch angesehen und Honorarprofessor an der Uni Mannheim. Ihm zur Seite stehen an der Spitze des Curt-Engelhorn-Zentrums Roland Schwab als wissenschaftlicher Direktor und Sven Wiegand als kaufmännischer Geschäftsführer.

Zudem sollen die Mannheimer Experten ihr Wissen künftig verstärkt weitergeben. Von der Klaus Tschira Stiftung (KTS) für drei Jahre mit fast 900 000 Euro gefördert, werden die Mannheimer mit dem Competence Center Archaeometry Baden-Württemberg (CCA-BW) der Universität Tübingen eine gemeinsame Infrastruktur aufbauen und Lehrveranstaltungen für Studierende sowie außeruniversitäre Weiterbildungen anbieten.

Zum Thema