Mannheim

Bilder-Schau Benno Werner begeistert mit Geschichten seiner Reisen nach Afrika / Ausmaß der Wilderei schockiert die Zuschauer

Fotos vom Leben ohne Zaun bei Löwen und Elefanten

Man fühlt sich ein bisschen wie beim Musical „König der Löwen“, als Benno Werner seine Bilder auf die große Leinwand wirft: Sie zeigen Antilopen, eine Schildkröte in Großaufnahme, ein Warzenschwein, Zebras und viele andere Tiere, die sonst höchstens im Zoo zu sehen sind. Und zu jeder Aufnahme erzählt Werner breitwillig die Geschichte dahinter: Wie Löwen Büffel angriffen, vor Angst aber doch flohen. Wie sie eine große Antilope fraßen, von der nach den Hyänen und Geiern nichts mehr übrig war. Und wie er ein Rudel tagelang verfolgte und er der Einzige war, der wusste, wo die Tiere gerade sind.

Nationalparks in Simbabwe

Gespannt werden diese Geschichten von fast 200 Leuten in der Johannis-Kirche auf dem Lindenhof aufgenommen. Rund zwei Stunden dauert die Bilder-Schau mit dem Titel „Zu Fuß unter Löwen und Elefanten – Zwei Mannheimer gegen die Wilderei“. Seit mehr als zehn Jahren reist der Heilpraktiker Benno Werner schon nach Afrika, besonders die Nationalparks im Norden Simbabwes haben es ihm und seiner Partnerin Ingeborg Bohnert angetan, dort können sie sogar ganz ohne Zaun und Lodge in einem Zelt unter den Tieren wohnen (wir berichteten). Die Bilder und Geschichten dieser Reisen möchte Benno Werner nicht für sich behalten und präsentierte sie deshalb auf dem Lindenhof.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Elefanten, denen er in Simbabwe fast täglich begegnet: „Mit meinen Bildern möchte ich zeigen, wie ruhig und sanftmütig die Tiere eigentlich sind“, sagt Werner. Und gleichzeitig will er vermitteln, warum ausgerechnet diese Tiere besonders schützenswert sind. Denn Zehntausende Elefanten werden pro Jahr getötet, in zehn bis 20 Jahren könnten die Dickhäuter in Afrika bereits ausgestorben sein. Deshalb redet Werner in seiner Schau auch über die Wilderei und berichtet von Projekten, die die Tiere schützen wollen.

Aus Sicht eines Mannheimers aber zu wenig. Der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt: „Ich war selbst noch nicht in Afrika, aber die Bilder erscheinen mir etwas unrealistisch. Das wirkt mehr wie eine Ausflugsatmosphäre.“ Er hätte sich mehr Fokus auf die Wilderei gewünscht: „Die Zahlen sind schockierend. Da frage ich mich: Wie viele Millionen gibt die Stadt Mannheim jetzt aus, um die Elefanten zu retten? Die geben Geld für so viel Unsinn aus, da erwarte ich einen Beitrag.“ Werner sagt, dass er mit der Stadt in Gesprächen sei.

Die meisten Zuschauer zeigen sich aber von der Schönheit der Bilder beeindruckt: Valentina Fedel ist zum Beispiel mit ihrer Tochter Anna gekommen: „Elefanten sind meine dritten Lieblingstiere“, sagt die und drückt ihren Plüsch-Elefanten. „Wir gucken uns gerne Bilder von der Natur an und können gar nicht glauben, dass er da einfach so im Zelt wohnt“, fügt ihre Mutter hinzu. Sie findet außerdem, dass Benno Werner eine gute Mischung zwischen dem ernsten Thema der Wilderei und der Schönheit der Natur gefunden hat: „Anna hätte sogar lieber mehr Bilder gesehen.“

Ganz ähnlich sieht es Michael Kesy: „Ich interessiere mich vor allem für die Fotos, da ich selbst leidenschaftlich gerne Bilder mache. Und die Stories, die er erzählt, sind echt beeindruckend.“ Er würde einem Löwen nie so entgegentreten oder auch nur außerhalb einer Lodge zu Fuß unterwegs sein. Vom Ausmaß der Wilderei war er nicht überrascht: „Ich hatte das durchaus schon vor Augen, auch die Dimensionen. Aber man denkt eigentlich nicht, dass es so krass ist.“ Das sagt auch Roland Dieterich: „Dass das Thema so gravierend ist, war mir nicht bewusst.“ Die Geschichten fand aber auch er sehr interessant.

Wie es scheint, hat Benno Werner einen guten Mittelweg gefunden, zwischen der Schönheit der Natur und dem Mord an den Elefanten. Und wem der Fokus zu wenig auf der Wilderei lag, für den hat Werner auch etwas zu bieten: Wer sich im Kampf für die Tiere engagieren möchte, konnte tags darauf einem Vortrag von Richard Maasdorp lauschen. Er ist einer der Vorkämpfer im Einsatz gegen Wilderer in Simbabwe. Und auch Thomas Töpfer vom Verein „Rettet die Elefanten Afrikas“ beantwortete Fragen.

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