Mannheim

Universität Netzwerk „WUMAN“ soll helfen, dass sich Wissenschaftlerinnen besser austauschen / Häufig leiten Männer die Lehrstühle

„Frauen müssen sich mehr zutrauen“

Unter den Doktoranden gibt es viele Frauen, bei den Professuren ändert sich das – vor allem Männer stehen an der Spitze der Lehrstühle. Warum ist das so? Diese Frage haben sich auch Meike Bonefeld und Anne-Sophie Waag gestellt, die an der Universität Mannheim forschen. „Wir müssen mehr über solche Themen nachdenken – und auch sprechen“, sagte sich Bonefeld und gründete gemeinsam mit Anne-Sophie Waag ein Netzwerk für Wissenschaftlerinnen, in dem es um Themen geht, die vor allem Frauen betreffen. Geplant sind in diesem Jahr zunächst sechs Treffen, die sich insbesondere mit den Karrierechancen in der Wissenschaft auseinandersetzen.

Befristung ein schwieriges Thema

„Dass es mehr Professoren als Professorinnen gibt, ist kein Mannheimer Phänomen“, sagen beide – das gelte für so gut wie jede Universität. „Wir haben hier viele Projekte und Initiativen, die die Gleichstellung vorantreiben“, erklärt Bonefeld, die ihren Doktorgrad an der Uni Mannheim erlangt hat und zurzeit noch dort arbeitet. Generell seien Befristungen und auch Teilzeitregelungen in der Forschung ein schwieriges Feld – auch hinsichtlich der Rente. Da sind sich die beiden Psychologinnen einig. Das gelte allerdings für Frauen wie Männer gleichermaßen.

Bei „WUMAN“, so nennt sich das neue Netzwerk, können Interessierte über berufliche, aber auch persönliche Entscheidungen sprechen und diese reflektieren – in gemeinsamer Runde. „Darüber hinaus möchten wir uns mit Themenimpulsen auch inhaltlich weiterbilden und informieren“, sagt Meike Bonefeld. Aus diesem Grund haben Bonefeld und Waag „WUMAN“ gegründet – die Abkürzung steht für Wissenschaftlerinnen der Universität Mannheim. Bei ihrer Gründungsfeier haben sie mit 25 Gästen gerechnet, am Ende kamen deutlich mehr, wie viele genau wissen sie nicht, aber sie schätzen die Zahl auf etwa 200. „Dieser Zuspruch hat uns wirklich gefreut“, sagt Waag. Generell seien die ersten Reaktionen auf „WUMAN“, dessen Idee im April entstand und im Oktober dann manifestiert wurde, durchweg positiv.

Was kommt nach dem Abschluss?

„Wir wollen mit unserem Netzwerktreffen einen informellen Austausch von unten bieten und sehen uns als Ergänzung zu bestehenden Strukturen und Programmen. Wir sind keine Konkurrenz zu Gleichstellungsbüros, sondern eine Ergänzung“, machen die Forscherinnen klar. „Wir wollen kooperieren, zusammen an Lösungen arbeiten.“

Doch warum gibt es zwar viele Doktorandinnen, aber wenige Professorinnen? „Das liegt nicht nur daran, dass sich Frauen oftmals zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen. Frauen müssen sich mehr zutrauen, sie müssen sichtbarer werden“, sagt Meike Bonefeld. Oft sei es so, dass Frauen sich nicht für Preise oder Förderprogramme bewerben. „Sie machen es meistens erst dann, wenn sie explizit darauf angesprochen werden“, erklärt Anne-Sophie Waag.

Dennoch liege nicht alles an den Frauen, auch das System könne eine Überarbeitung gebrauchen. „Nur weil wir Dinge schon immer so gemacht haben, heißt das nicht, dass wir es nicht ändern können – wir müssen nur mal darüber sprechen“, sagt Waag.

Denkanstöße geben, das ist das Ziel. Beim Treffen am Donnerstag, 14. Februar, um 12 Uhr in L 2,2 geht es dann um die wichtige Frage für alle Masterstudentinnen: Was kommt nach dem Abschluss? Lohnt sich eine Promotion – und wie geht es dann weiter? Meike Bonefeld und Anne-Sophie Waag freuen sich auf viele Interessierte.

Info: Mehr zum Netzwerk unter www.wuman.de