Mannheim

Frech-feminine Jazz-Melange

Mannheim.Es dauerte einen Augenblick, bis die Bärte wirklich klebten, wo die vier Damen von „Jazzabella“ an einem bezeichnenden „Jazz im Quadrat“-Abend demonstrieren wollten, dass sich nicht Frauen, sondern Musiker von Niveau und Profil den Beifall ihres Publikums verdienen. Doch als Trompeterin Hannah Maradei Gonzalez und Gesa Marie Schulze (Sopransaxophon), Posaunistin Karoline Vogt und Ricarda Hagemann (Tenorsaxophon) all ihre Nervosität erst einmal verloren hatten, schenkten sie dem fast schon traditionell ausverkauften „Ella & Louis“ einen Abend zum Einrahmen.

Das hat in den guten 140 Minuten viel mit dem Humor zu tun, den das weibliche Quartett seiner Musik ganz subtil einzuhauchen versteht – was aber wirklich verführt, ist die zahllose Vielfalt der Genres, die mit dem Fortgang des Abends in derart reizvoller Selbstverständlichkeit ineinander fließen, ohne dabei je zu zerbrechen. Dass sich Klassiker wie „Mas que nada“ mit indianischen Weisen wie „The River, She is Flowing“ harmonisieren, während sich Lateinamerikanisches von Astor Piazzolla mit Chaka Khan und seinem legendären „Ain’t Nobody“ zum Rendezvous verabredet, ist dabei keine Kleinigkeit.

Vielmehr ergibt sich aus dem fast schon blinden Zusammenspiel der Bläser-Damen ein dichtes Netz aus spontaner Improvisation und warmer Opulenz, in das man sich allzu gerne hineinfallen lässt. Man denkt dabei nicht im Traum daran, den Verzicht auf die rhythmusgebende Trommel als Mangel aufzufassen. Es ist eine frech-feminine Jazz-Melange, die sich auf die Qualität des einzelnen Solisten stets blind verlassen kann und die eigene Ungewöhnlichkeit auch ein Stück weit feiert. Fast schon bejubelt wird Gesa Marie Schulze, als sie auf die Frage, ob das Leben als Frauen-Ensemble ohne Schlagzeuger denn nicht schwierig sei, mit einem selbstbewussten „Wir sind eben einzigartig“ kontert.

Die mittlerweile längst gefeierte Zugabe zu „Girls Just Wanna Have Fun“ ist da nur noch das entscheidende Ausrufezeichen hinter einem Abend, der seine weibliche Strahlkraft eleganter nicht hätte zum Thema machen können, um einem begeisterten Publikum noch lange in den Sinnen zu bleiben.

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