Mannheim

Innenstadt (II) Grüne und SPD setzen schon länger auf die Erweiterung der Fußgängerzone / Mehrheiten gab es bislang dafür nicht

„Freiräume statt Durchgangsverkehr“

Als „zentrale stadt- und verkehrsplanerische Forderung“ nennen die Grünen die autofreie Innenstadt: Dies habe man im Gemeinderat „schon seit Jahrzehnten vertreten“, heißt es in einer Mitteilung der Partei. „Nun zeichnet sich für diese Forderungen endlich eine Mehrheit im Gemeinderat ab“, so Fraktionsvorsitzende Melis Sekmen. Sie fordert mit Blick auf den Vorstoß der CDU zur „Neuen Innenstadt“ ihre Kollegen der anderen Fraktionen auf, eine Ausweitung der Fußgängerzone „nicht nur in Plakatkampagnen“ zu bewerben, sondern sich „auch im Abstimmungsverhalten“ dafür einzusetzen. „Dass unsere Ideen über eine Erweiterung der Fußgängerzone weit hinaus reichen, kann man in unserem Wahlprogramm, und in zahlreichen neuen und alten Anträgen lesen“, sagt sie.

Auch Ralf Eisenhauer (SPD) verweist beim Thema Innenstadtverkehr auf frühere Vorschläge seiner Fraktion – etwa vom Frühjahr 2018. Damals hatten die Sozialdemokraten gefordert, zumindest testweise mit Pollern oder Blumenkübeln die Fußgängerzone zu erweitern. Als „ersten Schritt“ hatte Eisenhauer vorgeschlagen, die Kunststraße zwischen Paradeplatz und N 1 im Sommer für Autos zu sperren. Die SPD wollte damit die Aufenthaltsqualität verbessern und den Eingriff in den Verkehr möglichst gering halten. Eisenhauer: „Damals war leider keine Mehrheit im Gemeinderat oder beim Handel zu überzeugen.“

Beispiel Barcelona

„Was die Menschen in der Innenstadt brauchen, ist eine deutliche Verkehrsberuhigung bis hin zur autofreien Innenstadt“, ergänzt Grünen-Stadtrat Gerhard Fontagnier. Er verweist auf das in Barcelona verfolgte Konzept der „Superblocks“, bei dem Stadtquadrate zu autofreien Wohnquartieren zusammengefasst werden. Dort entstehen dann „Freiräume zum Leben und Spielen, statt Durchgangsverkehr und Parkchaos“, so Fontagnier. Zum Umbau von Fressgasse und Kunststraße müsse auch der Umbau der verlängerten Jungbuschstraße als Fußgängerzone bis in den Jungbusch mit in Angriff genommen werden.

Zudem müsse der Fuß- und Radverkehr mit „deutlich mehr Mitteln und personellen Ressourcen“ ausgebaut werden, fordert er. Die Verkehrswende, so Sekmen und Fontagnier, „geht nur mit Mut, denn über viele Jahrzehnte wurde die Stadt autogerecht ausgebaut und der zu verteilende Platz bleibt beschränkt.“ Angesichts des Klimawandels und „enormer Gesundheitsbelastungen durch den motorisierten Individualverkehr haben wir keine Zeit mehr zu verlieren“, sagen die beiden Grünen-Politiker. lang

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