Mannheim

Gastronomie Seit einem Jahr erlaubt Stadt erweiterte Terrassen am Straßenrand / Auch Cafés in Seitenstraßen stellen Anträge

Freisitze fürs Stadtbild

Mannheim.Es ist heiß, besonders in der Sonne. Viele Gäste suchen sich darum lieber einen Platz im Schatten – von den neuen Sitzplätzen direkt an der Straße bleiben einige leer. Und doch sind die Gastronomen zufrieden: „Besonders am Wochenende und bei unserer Live-Musik-Reihe ist es voll hier“, sagt Giuseppe Stabile, Abteilungsleiter des Café Brue in Q 6/Q 7. „Es ist einfach wichtig, auch draußen Sitzplätze anbieten zu können.“

Seit einem Jahr gestattet die Stadt Gastronomen in der Freßgasse und der Kunststraße, auf Antrag Freisitze bis an die Straße aufzubauen. Dafür dürfen die Cafés Parkbuchten nutzen und sie mit Zäunen oder Pflanzenkübeln von der Straße abtrennen. Drei Gastronomen machen das bereits, zwei weitere Anträge liegen der Stadt zur Genehmigung vor. „Und es wäre schön, wenn es noch einen Nachahmungseffekt gäbe“, sagt Klaus Elliger, Leiter des Fachbereichs Städtebau bei der Stadt.

„Wir wollen keinen Dammbruch“

„Hier sitzt man gut, vorher gab es vor allen Dingen nicht so viel Platz, um draußen was zu essen“, sagt Oskar Freud, der gerade vor der Nordsee in der Freßgasse saß und sich jetzt wieder auf den Weg macht. Platz schaffen für Gastronomen und die Besucher, das ist ein Ziel des Ganzen. Gleichzeitig will die Stadt damit aber auch den öffentlichen Raum aufwerten. Die Idee kommt von weiter her. Städte wie Kopenhagen oder San Francisco sind ähnliche Wege gegangen und haben Parkplätze in Freisitze umgewandelt. Immer geht es darum, die Aufenthaltsqualität zu steigern, ohne den Verkehr dabei stark zu beeinflussen – und ohne größere Investitionen. Denn das ist ein Vorteil des Projektes: Die Stadt kostet es gar nichts, den Aufwand haben die Gastronomen, die damit aber auch zusätzliche Einkünfte generieren können.

„Es ist doch gleich eine andere Wahrnehmung, wenn da Menschen sitzen, als wenn dort Autos abgestellt sind“, sagt Klaus Elliger. 20 Gastronomen hatte die Stadt im vergangenen Jahr angeschrieben, selbst wenn alle mitmachen würden, dann fielen 40 Parkplätze weg – vor dem Hintergrund der vielen Parkhäuser kein Problem, sagt Elliger.

Etwas anders sieht er die Situation in weiteren Straßen in den Quadraten – denn hier haben Gastronomen nun ebenfalls Anträge gestellt, allerdings gilt das Angebot der Stadt bislang nur für Kunststraße und Freßgasse. „Wir wollen keinen Dammbruch“, betont Elliger, „besonders dort, wo der Parkdruck durch Anwohner hoch ist.“ Es gebe aber mit allen Betroffenen Gespräche.

„Es war auf jeden Fall eine gute Idee, das einzurichten“, sagt Lutz Pauels von der Werbegemeinschaft Mannheim City. „Wir ziehen da ein sehr positives Fazit, weil es die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt deutlich verbessert.“ Die Werbegemeinschaft sei darum auch dafür, das Vorgehen auf den Rest der Quadrate auszudehnen. Es gebe doch keinen Grund, das nur auf Freßgasse und Kunststraße zu beschränken. Natürlich könne man nicht jeden Antrag genehmigen, aber jeder solle geprüft werden – und wenn nichts Gewichtiges dagegen spreche, dann solle die Stadt dem zustimmen.

„Die Gastronomen wollen das, und viele Besucher auch“, sagt Pauels. Früher sei es kaum vorstellbar gewesen, dass Menschen so nah an Straßen sitzen wollten, aber da habe es längst einen Sinneswandel gegeben – in den Quadraten, aber beispielsweise auch am Friedrichsplatz seien die Plätze draußen auch an belebten Straßen beliebt.

Ronnie Boland würde sich freuen, wenn es noch mehr der Freisitze in Parkbuchten gäbe. Er selbst hat vor einem Jahr vor seinem Café Boland‘s den ersten in Mannheim eröffnet. 24 Stühle stehen auf einem kleinen Podest an der Kunststraße, das mit Plexiglas von der Kunststraße abgetrennt ist. In Kästen hat er Blumen gepflanzt und zum Spaß Parkuhren aufgestellt. „Ich hoffe, dass andere mitmachen, diese Freisitze werten die ganze Straße auf.“

Info: Mehr Bilder unter morgenweb.de/mannheim

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