Mannheim

Neckarstadt-West Etwa 20 Helfer beteiligen sich an der Müllsammel-Aktion von Quartiermanagement und Caritas-Verband

Freiwillige putzen am Neumarkt

Auf den ersten Blick sieht der Neumarkt in der Neckarstadt-West recht aufgeräumt aus. Doch wer genauer hinschaut, findet viele Zigarettenkippen und Kronkorken, die sich nur mit mühevoller Kleinarbeit aufsammeln lassen. Profitieren hätte er von der Aktion „Putz’ Deine Stadt raus!“ können, die eigentlich bereits im März in den einzelnen Stadtteilen hätte stattfinden sollen. Weil sie jedoch wegen Corona abgesagt wurde, haben sich Quartiermanager und Streetworker des Caritas-Verbands zusammengetan, um die Aktion nachzuholen: Am Neumarkt machen sie klar Schiff – und das zusammen mit einigen Anwohnern, die sich öfter mal auf dem Platz aufhalten, um dort Bier zu trinken.

Ausgestattet mit Abfall-Greifern und leuchtend orangefarbenen Mülltüten macht sich das Team an die Arbeit. Schon von Weitem sind sie dadurch zu erkennen. Etwa 20 Teilnehmer haben sich zum Aufräumen eingefunden, die Veranstalter helfen selbst fleißig mit. Unterstützt wird die Aktion auch vom Interkulturellen Bildungszentrum (Ikubiz) und der Abfallwirtschaft. Auf der Höhe der Haltestelle liegen Zigarettenstummel und Kronkorken besonders dicht an dicht. „Die Neckarstadt gilt als dreckig, und unsere Klienten stammen aus der sogenannten Trinkerszene. Es sind die Anwohner, die sich hier aufhalten, die zu Sündenböcken für den Müll gemacht werden“, sagt Verena Schmidt, Streetworkerin der Caritas. „Deshalb möchten wir zeigen, dass es uns wichtig ist, den Neumarkt sauber zu halten. Dadurch bekommen die Anwohner auch ein Verantwortungsgefühl für ihren Stadtteil. Ich finde es toll, dass so viele Leute da sind.“

Image des Stadtteils ramponiert

Kaum sind die Greifzangen und Müllsäcke an die freiwilligen Helfer ausgegeben, verteilen sie sich auf dem gesamten Neumarkt. Mit dabei ist auch Student Felix Burgdörfer, der sein Praxis-Semester beim Caritas-Verband verbringt. Er studiert Soziale Arbeit an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft (HWG) Ludwigshafen und schreibt gerade seine Bachelorarbeit. „Die Stelle als Streetworker ist nur eine halbe, ich teile mir sie mit Verena Schmidt“, erklärt Burgdörfer. „Büroarbeit gehört auch dazu, aber die Hälfte des Tages ist man draußen. Mir gefällt der Job, da man ein Sprachrohr für Leute sein kann, die eher nicht gehört werden. Wir bieten Hilfe an.“ Zum Bereich der Caritas-Streetworker gehören auch die Innenstadt und der Jungbusch. „Hier in der Neckarstadt sieht man Menschen auf der Straße, die Wohnungen haben. Im Gegensatz zur Innenstadt, dort gibt es mehr Obdachlose“, sagt der Student.

Das Image der Neckarstadt-West ist angeschlagen, nicht erst seit der ZDF-Reportage „Zwei Quadratkilometer Stress“, die für einige Kritik wegen angeblich zu einseitiger Darstellung des Stadtteils sorgte (wir berichteten). „Dabei gibt es hier viele Vereine und Initiativen, die die Familien unterstützen, wie den Kindergarten und das Familienzentrum St. Michael oder die Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“, sagt Julia Koch, Pressesprecherin der Caritas. „Das Image kommt daher, dass in solchen Reportagen die ruhigen Wohngegenden nicht gezeigt werden.“

Auch Quartiermanager Damian Wiench putzt fleißig mit: „Wir Quartiermanager haben uns überlegt, was wir tun können, um das soziale Bewusstsein der Bewohner zu wecken. Jetzt haben wir diesen Ersatztermin, und die Leute haben mitgemacht“, zeigt er sich erfreut.

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