Mannheim

Bildung Fachtagung mit 450 Experten aus Wissenschaft und Praxis im Schloss

Fremdsprache Deutsch immer beliebter

Archivartikel

Deutsch lernen wird immer populärer: Weltweit mühen sich derzeit rund 15 Millionen Menschen mit der Grammatik und den Vokabeln ab. In vielen Ländern wird Deutsch als Fremdsprache auch an öffentlichen Schulen, Universitäten und anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen gelehrt. Vor allem die Sprachschüler aus mittel- und osteuropäischen Ländern machen Deutsch zu einer der meistgelernten Sprachen der Europäischen Union. Darauf wies gestern Matthias Jung, Vorstandsvorsitzender des Fachverbandes Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, hin. Noch bis zum Samstag treffen sich rund 450 Experten aus Wissenschaft und Praxis auf der 45. Jahrestagung des Verbandes im Mannheimer Schloss, um über neue Ansätze und Methoden bei der Vermittlung des Deutschen zu diskutieren. Ein „Treffpunkt für die ganze Szene“, die sich sonst in ihrer Gesamtheit selten sieht, so Jung. Und auch ein „Ausdruck der Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland“.

Zwar lernten sehr viel mehr Menschen im Ausland als im Inland (geschätzt: etwa eine Million) die deutsche Sprache, sagte Hans-Joachim Althaus, Geschäftsführer der Gesellschaft für Akademische Studienvorbereitung und Testentwicklung in Bochum. Derzeit werde aber die Diskussion von der Flüchtlingsfrage stark überlagert. Einen Schwerpunkt der Tagung bildet deshalb die Frage, wie es am besten gelingen kann, Flüchtlinge in angemessen kurzer Zeit auf ein ausreichendes Sprachniveau zu bringen, damit sie hierzulande einen Beruf ergreifen oder auch ein Studium absolvieren können.

Für die Migranten hat etwa das Goethe-Institut den Deutschtest für Zuwanderer entwickelt. Mit dem angestrebten Niveau B1 weisen die Teilnehmer nach, dass sie auf der unteren Stufe des Bereichs „Selbstständige Sprachverwendung“ sprachliche Probleme des Alltags flexibel bewältigen können.

Größte Gruppe kommt aus Syrien

Sehr viel anspruchsvoller, erklärte Ursula Paintner vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD), sei der Versuch, Ausländer sprachlich zu einem Studium in Deutschland zu befähigen. Nach dem großen Zustrom von Flüchtlingen 2015/16 sei man von 30 000 bis 50 000 Personen ausgegangen, die dazu befähigt werden könnten. Tatsächlich seien es bei der letzten Erhebung im November 2017 aber nur rund 6800 gewesen – wenn auch mit deutlich steigender Tendenz.

Sie sind Teilnehmer am Integra-Programm (Integration von Flüchtlingen ins Fachstudium), das Ende 2015 vom DAAD und dem Bundesbildungsministerium aufgesetzt wurde. Die Interessenten kommen aus 61 Herkunftsländern, wobei Syrer mit 75 Prozent die mit Abstand wichtigste Gruppe bilden, gefolgt von Afghanen und Iranern (jeweils sechs) und Irakern (drei Prozent).

Gerade die Syrer bildeten keineswegs eine homogene Gruppe, erläuterte Karin Gültlinger von der Universität Mannheim. Unter ihnen fänden sich Assad-Gegner wie -Befürworter, Muslime, Christen und Alewiten, Menschen mit und ohne Traumata. Viele hätten auch schon einen Hochschulabschluss ihres Landes, sähen aber einfach keine Chance mehr auf ein menschenwürdiges Leben in ihrem Land. Diese Gemengelage führe – zumindest am Anfang – zu Problemen. Am Ende aber dienten die Sprachkurse eben nicht nur zur Vorbereitung auf die deutsche Sprache, sondern auch auf die Gesellschaft.