Mannheim

Expertenmeinung Soziologe Thomas Lampert vom Robert-Koch-Institut über Zusammenhang zwischen Lebenserwartung und -weise

„Frühe Todesfälle bei benachteiligter Bevölkerung“

Die soziale Situation, in der ein Mensch lebt, wirkt sich auf Lebenserwartung und Sterbealter aus. Das sagt Thomas Lampert (Bild) vom Robert-Koch-Institut in Berlin. Er leitet dort die Fachgruppe Soziale Determinanten der Gesundheit. Sie erforscht den Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und Lebenserwartung.

Die Lebenserwartung wird – vereinfacht gesagt – mit Hilfe von aktuellen Sterbedaten für die Zukunft sozusagen hochgerechnet. Das Sterbealter ist dagegen der berechnete Durchschnittswert bei den vorliegenden Todesfällen. Trotzdem hat es Lampert zufolge Aussagekraft.

„Es gibt mehr frühe Todesfälle bei der sozial benachteiligten Bevölkerung“, sagt der Soziologe und Gesundheitswissenschaftler. Zum Beispiel durch Krankheiten, die als Folge von Alkoholkonsum oder Rauchen entstehen. Aber etwa auch durch die schlechteren Arbeitsbedingungen dieser Menschen. „In Bevölkerungsschichten mit höherem Einkommen und besserer Bildung dagegen sind es vergleichsweise weniger Menschen, die vor dem 65. Lebensjahr sterben.“

Doch nicht nur das Verhalten der Menschen wirkt sich nach den Erkenntnissen von Lampert auf ihr Sterbealter aus – sondern auch die Umgebung, in der sie leben. „Welche Grünflächen und Sportstätten gibt es in ihrem Stadtteil, welche Bildungs- und Kulturangebote? Wohnen die Menschen an einer lauten Straße, die nicht nur für Luftverschmutzung sorgt, sondern durch den Lärm auch für Stress – das alles sind Faktoren.“ Gerade in den Städten hat sich Lampert zufolge vor allem durch die Entwicklung der Mieten die Konzentration von bestimmten Bevölkerungsgruppen auf einzelne Stadtteile zuletzt weiter verstärkt. Und wie sieht die Lösung aus? Für Lampert ist Stadtplanung das entscheidende Instrument. „Sie können nicht die komplette Bevölkerung eines Stadtteils woanders hinsetzen – aber sie können die Infrastruktur ändern.“ Es gehe darum, die betroffenen Stadtteile lebenswerter zu machen. „Ich finde es deshalb sehr positiv, dass der Oberbürgermeister in Mannheim da klar Farbe bekennt.“

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