Mannheim

Fürchte Dich nicht?

Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“ Vielleicht kennen Sie diesen Satz aus dem Film „Star Wars“. Im Rahmen seiner Ausbildung warnt Jedi-Meister Yoda seinen Schüler Anakin Skywalker vor den Gefahren der Furcht. Denn Furcht ist eine starke Kraft, die das Leben im Guten wie im Schlechten nachhaltig beeinflusst.

Furcht ist ein notwendiges Gefühl, denn es schützt vor Gefahren. Ohne Furcht tut man Dinge, die das Leben gefährden, zum Beispiel riskante Aktionen im Straßenverkehr oder beim Sport. Übermäßige Furcht hingegen lähmt, denn man traut sich nichts mehr zu.

Jeder Schritt bereitet dann Angst, denn gerade dieser Schritt könnte der falsche sein. Diese Furcht ist zerstörerisch. Zuerst führt sie zu Wut. Man spürt, dass da eine Mauer ist, die man nicht überwinden kann. Dinge, die man gerne machen möchte, sind nicht möglich. Auch wenn man es versucht, die Furcht hält einen zurück.

Blick ins Neue Testament

Man fühlt sich ohnmächtig, den Umständen ausgeliefert. Es entsteht ein Gefühl des Versagens und der Verzweiflung. Diese Verzweiflung kann zu Hass auf sich selbst und die anderen führen, die man für sein Schicksal verantwortlich macht. Die anderen jagen mir Furcht ein, deshalb will ich nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Die Furcht baut Mauern.

Mauern zu überwinden ist nicht einfach. Im Neuen Testament gibt es eine ähnliche Situation wie bei „Star Wars“. Auch hier gibt ein Lehrer seinem Schüler Ratschläge, wie er in seinem Leben Mauern überwinden kann.

Einen Satz, der mir hilft, mich meiner Furcht zu stellen, möchte ich herausgreifen: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim 1,7). Dieser Satz ist keine magische Formel, die jede Furcht beseitigt. Er ist ein Wegweiser, wie man besser mit der Furcht umgehen kann.

Zuerst ist Kraft notwendig. Diese Kraft ist die Liebe Gottes. Sie lässt den Menschen spüren, dass er es schaffen kann, auch wenn die Furcht wieder kommt. Sie gibt ihm Vertrauen zu sich selbst, der Welt und Gott. Die Liebe ist notwendig, um Ziele nicht rücksichtslos durchzusetzen. Liebe gibt den Blick frei auf den Anderen. Auch er ist von Gott geliebt, so wie ich. Liebe nimmt die Furcht vor dem Anderen.

Größte Herausforderung

Die Besonnenheit ist notwendig, um realistisch zu bleiben. Sie hilft Situationen angemessen einzuschätzen und angemessen zu reagieren. Wenn man sich diese drei Elemente immer wieder vor Augen führt, fällt es leichter mit der Furcht umzugehen.

Wer „Star Wars“ kennt, weiß, dass Anakin Skywalker seiner Furcht erliegt und sich letztendlich von seinem Hass bestimmen lässt. Yoda sollte am Ende mit seiner Warnung Recht behalten. Vielleicht hätte er ihm den Ratschlag geben sollen: „Fürchte dich! Stell dich deiner Furcht! Sie ist deine größte Herausforderung.“

Es ist wichtig, sich seiner Furcht zu stellen und ihr offen zu begegnen. Sie löst sich dadurch nicht auf, aber es ist so möglich, mit ihr umzugehen. Wer sich seiner Furcht nicht stellt, der wird von ihr beherrscht und macht sich letztendlich abhängig von ihr. Sie bestimmt sein Leben. Die Liebe Gottes gibt uns die Kraft, uns aus dieser Abhängigkeit zu befreien, denn da ist jemand, der uns hilft, unsere Mauern zu überwinden.

Gerold Stein, evang. Pfarrer im Schuldienst, Hemsbach