Mannheim

Sport Straßen-WM fördert Respekt und Zusammenhalt in Schulklassen / Jede Mannschaft vertritt ein Land

Fußball mit besonderen Regeln

Archivartikel

Es wird viel gerufen und angefeuert auf dem Pausenhof der Humboldt-Werkrealschule. Die Schüler kämpfen um den Ball, in roten, weißen oder auch schwarzen Trikots. Sie wollen vor allem eins: gewinnen und so ins Finale der diesjährigen Straßenfußball-WM einziehen. Doch dafür müssen sie mehr als einfach nur Tore schießen, denn die Regeln unterscheiden sich von denen eines normalen Fußballspiels.

Drei Festlegungen

Je zwei Teams treten auf dem zehnmal 15 Meter großen Feld an, es ist umrundet von einer Bande. Fünf Minuten dauert ein Spiel, pro Mannschaft dürfen nur vier Spieler auf dem Platz stehen, darunter immer mindestens ein Mädchen. Und die Tore, die geschossen werden, zählen ebenso nur, wenn auch mindestens ein Mädchen den Ball über die Linie bugsiert hat. Außerdem gibt es noch Punkte für Fair-Play, also das respektvolle Verhalten auf dem Spielfeld: Vor jeder Partie werden mit einem Würfel drei Regeln bestimmt, die die Teams einhalten sollen. So müssen sie sich etwa abklatschen, für jedes Tor – auch des Gegners – applaudieren oder nach dem Spiel gemeinsam eine La-Ola-Welle machen. Das soll den Teamgeist und den gegenseitigen Respekt schärfen.

Nicht immer ist es für die Spieler aber leicht, die Regeln auch einzuhalten: Bei dem Aufeinandertreffen von Frankreich und Portugal etwa – das ist die Klasse 5a gegen 6c – sollen die Schüler eigentlich einen Spieler, der den Ball zwischen sich und der Bande eingeklemmt hat, Platz zum rauskommen lassen. Das passiert jedoch nur bedingt. Und auch das Applaudieren für Tore will nicht allen gelingen – schließlich steht es am Ende auch neun zu null für Portugal.

Trotzdem unterstützen die Schüler die Fair-Play-Regeln: „Das ist wirklich gut, so können wir besser spielen und es macht noch mehr Spaß“, sagt etwa Nikolay Bonchev. Für ihn ist das Fußballturnier eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag: „Ich liebe Fußball spielen einfach.“ Er und sein Teamkollege Nikola Mihajlovic finden es auch cool, dass ihnen Portugal als Nationalmannschaft zugelost wurde: „Da spielen Ronaldo, Quaresma oder Rui Patricio“, sagen sie stolz. Und nach dem ersten Sieg gegen Frankreich sind sie zuversichtlich, dass sie das Finale erreichen können.

Mindestens ein Mädchen im Team

Doch auch die unterlegenen „Franzosen“ aus der fünften Klasse glauben noch an das Finale: „Wenn wir uns steigern, geht das. Wir müssen immer nach vorn“, sagt Maria Bogdanova. Sie ist eines der Mädchen im Team und freut sich, dass sie so gut eingebunden wird: „Ich finde es aber manchmal schwer, ein Tor zu schießen. Und eben hat ein Mädchen aus einer höheren Klasse direkt auf mich geschossen. Aber ich finde es gut, dass ich mitspielen darf.“ Für sie und das Team geht es neben dem Pokal noch um etwas anderes: „Wir wollen unsere Lehrerin stolz machen und zeigen, dass wir mehr können.“

Die angesprochene Barbara Gembe findet es richtig, dass für das Fußballturnier zwei Schulstunden ausfallen: „So etwas ist auch wichtig, die lernen durch das Spiel richtig viel. Zum Beispiel die Mannschaftsbildung, die ist ganz toll.“

Und darum soll es bei der Straßenfußball-WM auch gehen. 2002 wurde sie zum ersten Mal landesweit organisiert, später wurde das Konzept dann lokal in Mannheim übernommen: An verschiedenen Tagen treten die Teams aus einzelnen Schulen gegeneinander an. Wer diese „Vorrunde“ gewinnt, kommt ins Finale und spielt um den Pokal. „Ziel ist, dass die Kinder Spaß haben“, erklärt Stefan Quickert vom Spielmobil, das das Turnier organisiert: „Wir wollen quasi durch die Hintertür soziale Kompetenzen vermitteln. Und je öfter die Schüler spielen, umso besser läuft das auch mit den Fair-Play-Regeln.“

So wie bei der 8b, die als eines von zwei Teams im Deutschlandtrikot aufläuft: „Ich finde es gut, dass es die Regeln gibt“, sagt Pedro Lorea. Er spielt im Verein Fußball und ist froh, seine Stärken auch in der Schule zeigen zu können. Das Ziel des Teams ist klar: Sie wollen ins Finale. Am Ende hat es für dieses Deutschland-Team nicht ganz gereicht: Dafür hat es Deutschland 2 mit dem Teamnamen „Bezekaya“ ins Finale geschafft. Am 17. Juli spielen die Schüler im Finale. Die Gegner für das Abschlussturnier werden jetzt in den anderen Schulen gesucht.

Info: Weitere Bilder unter morgenweb.de/mannheim

Zum Thema