Mannheim

Zu Gast Die Chanson-Sängerin Annett Louisan macht auf ihrer Tour im Frühjahr Halt im Rosengarten

Gas geben und gelassen älter werden

Archivartikel

Annett Louisan sagt, sie empfinde sich als Geschichtenerzählerin. „Darum brauche ich auch immer wieder Phasen, in denen ich mich zurückziehen und ein normales Leben führen kann, ich muss die Realität mitbekommen, sonst kann ich nicht für die Menschen Lieder schreiben und singen“, sagt d i e Stimme des deutschsprachigen Chansons, wie die 42-Jährige häufig genannt wird. Dem Leben auf der Spur – das war Annett Louisan rund fünf Jahre lang, ehe sie im vergangenen Jahr ihr neues Album „Kleine große Liebe“ herausgebracht hat. Ein Doppelalbum aus „Kleiner Liebe“ und „Großer Liebe“. Bereits im vergangenen Herbst ging sie damit auf Tournee, Teil zwei der Tour startet jetzt im Frühjahr und führt sie am 28. März in den Rosengarten nach Mannheim.

Lust auf Neues

Sie freue sich riesig, sagt Annett Louisan. Auf die Tour, ihre Fans, auf Mannheim. Insgesamt hat Annett Louisan bis heute eine Million Tonträger verkauft – bekannt wird sie vor 16 Jahren durch das Lied „Das Spiel“. Ihr erstes Album „Bohème“ erreicht sechs Wochen nach Veröffentlichung Gold- und nach neun Wochen Platinstatus und wird damit zu einem der schnellstverkauften Debutalben der deutschen Musikindustrie. Mit ihrer neuen kleinen Liebe setzt sie den gewohnten Stil ihrer deutschen Chansons fort. „Das ist die Annett, wie man sie kennt“, sagt sie und erklärt, dass sie gerne über sich in der dritten Person spreche. „Ich bin Annett Louisan, aber gleichzeitig ist diese Annett auch so etwas wie meine Schwester.“

Und die hatte mal Lust, sich neu auszuprobieren, ein bisschen poppiger zu werden und an Musik anzuknüpfen, mit der sie selbst aufgewachsen ist. Das ist im zweiten Teil des neuen Albums, der großen Liebe, zu hören. „Die Konzerte im vergangenen Jahr waren ein Riesenspaß, da konnte ich auch mal lauter werden und richtig Gas geben.“ Doch nicht nur musikalisch hat sich Annett Louisan weiterentwickelt. Auch als Mensch sei sie reifer geworden – und vor allem gelassener. „Ich bin ein Mensch, der sehr viel an sich zweifelt.“ Was als Künstler im Prinzip gut sei – weil man so immer bestrebt sei, besser zu werden. Doch nun sei sie über 40 und habe eine gewisse Lässigkeit. „Das tut gut, auch auf der Bühne.“ In den vergangenen Jahren habe sie sich intensiv mit sich und ihren Wurzeln befasst. „Ich hatte instinktiv eine Liste, die ich abgearbeitet habe.“

Und nicht nur das: Sie hat geheiratet, den Musikproduzenten Marcus Brosch, vor zweieinhalb Jahren sind die beiden Eltern einer Tochter geworden. Zu ihrer Tour im vergangenen Jahr hat sie Emmylou Rose mitgenommen, und das habe auch super funktioniert.

Bedingungslose Mutterliebe

Gleichzeitig will Annett Louisan nicht verhehlen, dass sie nach der Babypause froh war, wieder etwas anderes machen zu können. „Es ist wahnsinnig toll, Mama zu sein, aber die Musik ist mir auch wichtig. Es kommt nicht auf die Quantität an, wie viel Zeit ich mit meiner Tochter verbringe, sondern auf die Qualität.“ Ihr Vorbild sei ihre eigene Mutter, die sie als ihren größten Fan bezeichnet. „Es war nicht immer einfach mit meiner Mum, aber sie hat mir gezeigt, was bedingungslose Liebe ist. So möchte ich auch sein als Mutter.“ Überhaupt freue sie sich auf die nächsten Jahre, auch das Älterwerden. „Wahrscheinlich werde ich dann noch weiter schrumpfen“, meint die 1,52 Meter große Sängerin, „und mit 60 werde ich dann eine kleine alte Dame sein.“ Eine lustige kleine alte Dame, ergänzt sie, denn: „Humor ist ganz wichtig, der rettet einen durch alles durch.“

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