Mannheim

Sinti und Roma Andreas Schwarz, Landesfraktionschef der Grünen, besucht Verband / Probleme bei der Wohnungssuche

Geld und Bildung fehlen

Bedrückende Enge, kein Platz zur Entfaltung, unwürdige Lebensbedingungen – dennoch kommt es öfter vor, als wir denken, „dass in Mannheim in einer Zweizimmerwohnung zehn bis zwölf Personen leben müssen“, sagt Yanitsa Treja von Ankommen in Mannheim (ANIMA), einer Initiative der Wohlfahrtsverbände Diakonie, Caritas und Paritätischer. Sie sprach beim Landesverband der Sinti und Roma Baden-Württemberg „Romnokher“ gemeinsam mit Politikern der Grünen sowie Vertretern der Stadt und Wohlfahrtsverbände über die Situation jener Minderheiten.

Andreas Schwarz, Landesfraktionsvorsitzender der Grünen, war aus Stuttgart nach Mannheim gekommen, um sich über die Lage der Sinti und Roma zu informieren. Dabei wurde deutlich, dass die Probleme seit Jahren dieselben sind. Schwierigkeiten auf dem in Mannheim engen Wohnungsmarkt bestimmten das Leben der Migranten. „Das liegt auch an den geringen finanziellen Mitteln“, erklärte Treja, die Hilfesuchende berät. Die Probleme, die den Alltag der Menschen bestimmten, resultierten oftmals aus mangelnder Bildung. Wenig bis gar keine Sprachkenntnisse erschwerten die Jobsuche, was wiederum zu Geldproblemen führe. Es scheint wie eine Spirale nach unten, das war zumindest der Eindruck der Gesprächsrunde.

Kinder von Anfang an fördern

Aber es gibt Unterstützung: Der Landesverband engagiert sich in der Stadt, bietet nicht nur Beratungen an, sondern hilft die Sinti und Roma auch anderweitig. Je nach dem, aus welchem Land die Minderheiten kommen, haben sie verschiedene Bleiberechte. „Dennoch kümmern wir uns um alle“, macht Jovica Arvanitelli deutlich. „Solange sie sich in der Landeserstaufnahmestelle befinden, nutzen wir die Zeit.“ So versucht der Verband beispielsweise auf Franklin, Frauen für den Schneiderberuf fit zu machen, bevor sie zurückgeschickt werden, denn die würden in ihren Ländern gesucht. „Wir helfen aber auch den Menschen, die bleiben dürfen, wie etwa Bulgaren und Rumänen als EU-Bürger“, so Arvanitelli.

Sprachkurse gebe es an verschiedenen Stellen, auch in den Schulen würden Kinder gefördert – „nicht alle bulgarischen und rumänischen Kinder pauschal, sondern nur die, die Hilfe brauchen“, macht Luidmila Hahn vom Integrationsamt der Stadt klar. Es gebe seit dem Schuljahr 2017/18 Vorbereitungsklassen, die Kinder bei der Integration unterstützen und ihre Bildungschancen erhöhen sollen.

An Angeboten mangele es nicht, aber die Finanzierung sei oft schwierig, sagt Arvanitelli: „Wir haben hier eine Familie, die seit sieben Jahren geduldet ist. Nun soll sie anerkannt werden, aber der Nachweis eines Integrationskurses ist gefordert.“ Das Problem: Sieben Jahre war dieser Kurs nicht verlangt worden, und jetzt soll die Familie ihn nachweisen. Für die Finanzierung fehle das Geld. Andreas Schwarz und Mannheims Landtagsabgeordnete der Grünen, Elke Zimmer wollen nun besprechen, wie sich solche Probleme lösen lassen. „Wir werden schauen, ob und wie wir das im neuen Staatsvertrag verankern können“, sagte Schwarz. Dieser soll die Angelegenheiten der Sinti und Roma in Baden-Württemberg regeln (siehe Infobox), er wird im Herbst erneuert.

Auch gegen Diskriminierung wolle er vorgehen, sagte Schwarz. Konkreter wurde der Fraktionschef nicht. Umso deutlicher machte Verbandsvorsitzender Daniel Strauß, dass es für Sinti und Roma schwierig sei, etwa eine Wohnung zu finden. „Die meisten verschweigen deswegen ihre Herkunft“, bedauert Strauß. Er setzt sich dafür ein, dass Sinti und Roma ihre Heimat positiv wahrnehmen, ihre Sprache sprechen, sich aber dennoch integrieren. „Integration funktioniert nicht, wenn man seine Wurzeln verleugnet.“