Mannheim

Silvesternacht I Viele kleinere Brände und zahlreiche Notrufe halten die Feuerwehr in Atem – größere Schäden gibt es aber nicht

Gelöscht auch mit Apfelschorle

Archivartikel

15 Einsätze haben die Feuerwehr in den ersten zwei Stunden des neuen Jahres in Atem gehalten, darunter drei Balkonbrände sowie zahlreiche brennende Autos und Müllcontainer. Größere Schäden blieben aber aus. Als Vorteil erwies sich die feuchte Witterung. „Regen ist für uns an Silvester ein Segen“, so Klaus Sieber vom Führungsdienst der Berufsfeuerwehr, „dann entfallen Hecken- und Flächenbrände, die uns sonst extrem beschäftigen“, erklärte er. Auch die Batteriefeuerwerke seien „ein riesiger Vorteil, denn sie sind viel sicherer“, so Sieber.

Und dennoch – Silvester ist weiter die Nacht mit den meisten Einsätzen der Feuerwehr. Sieber und sein Kollege Maximilian Schneeganß, Leiter der Leitstelle, führen aber völlig souverän und gelassen, auch wenn es hektisch wird. Dabei bleibt die übliche „Ruhe vor dem Sturm“ aus. Um 23.38 Uhr wird ein Balkonbrand in der Marburger Straße gemeldet. Eine fehlgeleitete Rakete hat das Mobiliar auf dem Balkon in Brand gesetzt. Doch die Einsatzkräfte können das Übergreifen der Flammen auf das Mehrfamilienhaus verhindern.

Bürgermeister dankt

Um 23.58 Uhr heißt es „Antreten für die Wachmannschaft“ – um sich Prosit Neujahr zu wünschen. Erster Bürgermeister Christian Specht und Karl F. Mayer, Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes, sind auf die Leitstelle gekommen, um den Kollegen für ihr Engagement zu danken. Viel Zeit bleibt nicht – schon gehen mehrere rote Lampen an, an jedem der mit je sechs Bildschirmen ausgerüsteten Disponenten-Arbeitsplätze das Zeichen für einen eingehenden Notruf.

Los geht es mit einem Pkw-Brand in der Fressgasse, gleich darauf steht in der Pflügersgrundstraße ein Auto in Flammen, gefolgt von der Hardenburgstraße. Dann mehrere Anrufe aus der Ackerstraße – es brennt ein Balkon eines Mehrfamilienhauses. „Wir sind unterwegs“ oder „die Feuerwehr ist auf der Anfahrt“ werden die Anrufer von den Disponenten beruhigt. Die Einsatzkräfte sind schnell da, können ein Übergreifen der Flammen auf das Wohngebäude verhindern. Fünf in der betroffenen Wohnung befindliche Personen sind selbst auf die Straße geflüchtet.

Aber was ist in der Akazienstraße los? Eine aufgeregte Anruferin fordert „schnell, schnell“, Schreie im Hintergrund. Mal beruhigend, mal fordernd versucht Disponentin Ricarda Baaske, der Frau Details zu entlocken, was genau passiert ist – vergeblich. Man spürt, dass man hier Nerven wie Drahtseile braucht. Sieber entscheidet: „grün-weiß-rot!“ Außer Rettungsdienst und Feuerwehr soll eilig auch die Polizei die Adresse anfahren, „schon zum Eigenschutz für unsere Leute!“ Am Ende stellt sich heraus, dass gar nichts war, nur viele Betrunkene – aber das weiß man nie.

Um 0.43 Uhr wird es ruhig. „Das war’s wohl“, hofft einer – und irrt sich, weil gleich wieder hektische Momente folgen. „In der Kurfürstenpassage liegt eine Frau“ kommt als Notruf ’rein, zwischendurch immer wieder Meldungen, die an Polizei und Rettungsdienst weitervermittelt werden müssen. Dann ein Containerbrand auf dem Luzenberg, ein Kleinbrand im Bäckerweg, mehrere Anrufe aus dem Lindenhof. Da gibt es Flammen auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses in der Meerfeldstraße, die jedoch schnell gelöscht werden können.

Plötzlich schlägt die Brandmeldeanlage vom Baumhain an – dabei ist dort gar keine Veranstaltung. Dennoch rasen starke Kräfte in den Gartenschauweg. Später stellt sich heraus, dass ein Fester offensteht, Rauchschwaden den Melder auslösen. Aber man weiß ja nie. Zudem gelingt es nicht, einen Verantwortlichen zu erreichen. „Das haben wir in solchen Fällen leider öfter“, klagt Sieber. Derweil brennt es in der Oberen Riedstraße. Zugleich rückt ein Löschfahrzeug, das ohnehin gerade in der Nähe ist, zu einer bewusstlosen Person auf der Rheinau aus.

Zeit für Humor

„Zwischendurch waren wirklich alle beschäftigt“, bilanziert Sieber mit Blick auf Ehrenamtliche und Berufsfeuerwehr. Dabei geht ein spezieller Brand gar nicht in die Statistik ein. Auf der Rückfahrt von der Meerfeldstraße entdeckt Einsatzleiter Thorsten Andree im Glücksteinquartier brennende Kartonagen am Straßenrand. Er stoppt den Einsatzleitwagen, greift selbst ein. „Mit zwei Flaschen Apfelschorle und Schuhgröße 42 gelöscht“, meldet er, „ein Pulverlöscher hätte doch nur Dreck gemacht“. Trotz aller Anspannung und Hektik bleibt auch Zeit für Humor.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

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