Mannheim

Gemeinsam aufstehen

Archivartikel

Man soll mit herausragenden Wertungen vorsichtig sein, die geplante Demonstration am Tag der Deutschen Einheit darf man aber schon als einmalig bezeichnen. Eine so breite Unterstützung aus Kirche, Sport, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft in so kurzer Zeit – das hat es in Mannheim so noch nicht gegeben. Der SV Waldhof ist genauso dabei wie die Karnevalskommission und wie viele andere. Und das ist noch nicht alles.

Denn bemerkenswert ist auch der Titel, unter dem die Demonstration steht. Hier wollen Menschen für etwas auf die Straße gehen, nicht gegen etwas. Für etwas, das uns fast alle eint – jenseits unterschiedlichster politischer Positionen. Sie wollen, wie es der Filmemacher Philipp Kohl gestern gesagt hat, für die Grundlage der Gesellschaft demonstrieren: Demokratie, Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit. Wer sagt, dafür brauche man nicht auf die Straße zu gehen, der muss gar nicht auf die Ereignisse in Chemnitz schauen. Ein Blick in viele Facebookeinträge auch hier vor Ort genügt, um zu sehen, welche Kälte und welche Missachtung unserer Grundwerte manchen antreibt.

Es soll also um die Grundlage gehen: Darum, dass die allermeisten sich einig sind, dass wir unseren Rechtsstaat mit seinen Regelungen erhalten wollen, auch wenn es hin und wieder anstrengend ist. Dass Demokratie tatsächlich alternativlos ist – und Menschlichkeit sowieso.

Auf dieser Grundlage können und sollen wir diskutieren und streiten. Es geht ja nicht darum, alle einer Meinung zu sein. Auf dieser Grundlage müssen Sorgen vor wirtschaftlichem Abstieg eine Rolle spielen dürfen, auch Ängste vor Überfremdung, hier kann Politik anfangen. Aber das Fundament muss schon belastbar sein, wenn es oben mal heftiger zur Sache geht.

Mannheim kann, bei allen Schwierigkeiten, die es sicher auch hier gibt, ein Beispiel sein für politischen Streit auf einem guten, soliden Fundament. Darum geht es an diesem Tag der Deutschen Einheit.