Mannheim

Filmschätze Private Aufnahmen zeigen Umzug des Wochenmarktes 1978/79 wegen des Baus der Tiefgarage in G 1 – die sich mehrfach verzögert hat

Gemüse auf dem Paradeplatz

Ein ganz normaler Wochenmarkt – aber nur auf den ersten Blick: Private Aufnahmen aus jener kurzen Zeit, als die Händler ihre Stände auf dem Paradeplatz statt auf dem Marktplatz aufgeschlagen haben, hat das Marchivum erhalten. Sie zeigen ganz nebenbei viel vom Stadtbild und der Atmosphäre in Mannheim der Jahre 1978/79 und sind, dank der Digitalisierung, nun ein für die Nachwelt erhaltener Teil der Filmschätze des Archivs.

Üppige Berge von Obst, Gemüse, zahlreiche Blumen, dazu die rot-weiß oder grün-weiß gestreifen Schirme – es ist ein buntes Bild, das der Markt hier abgibt. Holzkisten werden gestapelt, viele Kunden sind zu sehen und an einem Verkaufswagen das Schild „Heute frische Hausmacher Leberwurst“.

Neben dem Marktgeschehen lohnt es sich auch, die Umgebung zu betrachten. Der Neubau der Sparkasse in D 1 ist gerade im Bau, die Dresdner Bank in P 2 (heute Commerzbank) hat noch ihre dunkelgrüne Fassade. Am Paradeplatz stehen noch die hohen Bäume, die später den neuen Haltestellen weichen mussten. Auch der große Kiosk ist zu sehen, zudem die (gerade jetzt erst erneuerte) hohe Uhr. Damals wirkt sie noch wie neu, schließlich sind die Planken zu jener Zeit erst vier Jahre Fußgängerzone.

Die Aufnahmen stammen aus dem Privatfilm „Mannem vorne – Mannem hinne“. Dieser ist insgesamt 22 Minuten lang und zeigt die Mannheimer Innenstadt und Umgebung. Das Marchivum hat ihn als Leihgabe von Matthias Janz erhalten und ihn dankbar digitalisiert, denn er dokumentiert gut den Wandel der Stadt.

Auf dem Paradeplatz findet der Markt zu jener Zeit ausnahmsweise statt, weil das seit der Stadtgründung als Marktplatz dienende Quadrat G 1 eine riesige Baustelle darstellt – für den Bau der Tiefgarage.

Die Markthändler lehnen ihn lange ab. Im Sommer 1977 sammeln sie sogar Unterschriften dagegen und schlagen vor, die Autos lieber in F 3 unterzubringen – wo damals auch noch eine Baulücke klafft und 1987 dann die Synagoge entsteht. Doch mehr noch als die Markthändler selbst leiden die (seinerzeit zahlreichen) inhabergeführten kleinen Geschäfte rund um den Marktplatz. Zwei überstehen die Bauzeit und den Verlust der – oft eben auch vom Wochenmarkt angelockten – Kunden nicht. Umziehen müssen die Markthändler im März 1978. Ende März 1979, heißt es, soll der Rohbau der Tiefgarage fertig und sie ab Juni bezugsfertig sein.

Doch daraus wird nichts. Immer wieder kommt es zu Verzögerungen. Als der sandige Boden abgetragen wird, stoßen die Arbeiter auf Reste einer im Zweiten Weltkrieg angelegten Löschwasser-Zisterne ebenso wie auf einen historischen Brunnen von 1667, einen riesigen Stoßzahn und Reste eines Steppenelefanten aus der Eiszeit oder ein menschliches Skelett. Dann sackt plötzlich der Sandsteinsockel des Marktplatz-Denkmals zur Seite. Mehrfach verteuern sich auch die Bauarbeiten auf über neun Millionen D-Mark.

Keine Umsatzeinbußen

Im September 1979 soll dann die Tiefgarage freigegeben werden, der Markt nach G 1 zurückkehren. Ein großes Fest wird schon geplant, aber die Tiefgarage erweist sich nicht als ganz dicht, Wasser dringt ein. Daher verschiebt die Stadt die Rückkehr der Markthändler erst in die Vorweihnachtszeit, dann auf Januar. Die Händler sind darüber aber gar nicht so traurig. Der anfangs verteufelte Paradeplatz, wo man zunächst heftige Umsatzeinbußen befürchtet hat, erweist sich als gar nicht so schlechtes Pflaster für Geschäfte mit Obst, Gemüse und Blumen.

Aber mit Freibier, Glühwein, Musik der Kapelle Franz Kühner und Hornsignalen von Fred Reibold, dem „Jäger aus Kurpfalz“, feiern die Händler dann wirklich am 15. Januar 1980, dass sie wieder in G 1 ihre Waren feilbieten dürfen. Der Weihnachtsmarkt, für den Wochenmarkt vom Paradeplatz an den Wasserturm umgezogen, bleibt aber gerne auf Dauer am Friedrichsplatz.

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