Mannheim

Alter Meßplatz Rund tausend Menschen nehmen an kurdischer Kundgebung gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien teil

Gericht hebt Demonstrationsverbot auf

Archivartikel

Zu einer Kundgebung gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien kamen rund tausend Teilnehmer auf dem Alten Meßplatz zusammen. Aufgerufen zu den Protesten hatte das Bündnis „Stoppt den türkischen Angriffskrieg – Solidarität mit Rojava“. Mit Blick auf die humanitäre Situation im kurdischen Autonomiegebiet im Norden und Osten Syriens forderten die Demonstranten ein Ende der Kampfhandlungen, einen Stopp von Waffenlieferungen in die Türkei sowie eine klare Positionierung der Weltgemeinschaft inklusive der NATO.

Einer der Redner auf dem Alten Meßplatz war Ali Atalan, der 2015 für die demokratisch-sozialistische Partei HDP ins türkische Parlament gewählt wurde. Seit Beginn der Militäroperation am 9. Oktober sei man täglich auf der Straße. Wenngleich inzwischen 300 000 Menschen vertrieben und zahlreiche Zivilisten in Nordsyrien getötet worden seien, müsse man selbst friedlich bleiben. Atalan sagte in seiner Ansprache, dass 11 000 Kurden im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat ihr Leben gelassen hätten. Die Mannheimer Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (Linke), selbst kurdische Alevitin, lobte die „bunte und vielfältige“ Kundgebung als „wichtiges Signal von Mannheim nach Rojava“. Eine Instrumentalisierung der 3,5 Millionen Flüchtlinge im türkisch-syrischen Grenzgebiet dürfe nicht zugelassen werden.

Polizei: Veranstaltung friedlich

Die Zusammenkunft auf dem Alten Meßplatz bei besten äußeren Bedingungen bildete den Abschluss eines Demonstrationszugs, der am Ehrenhof des Schlosses begann und durch die Innenstadt führte. Neben kurdischen Organisationen waren auch Anhänger der Gruppen Interventionistische Linke und Antifa vertreten. Die Teilnehmer wandten sich mit Sprechchören gegen Nationalismus, Faschismus und den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Nach Angaben der Polizei, die mit mehreren Hundertschaften und einer Reiterstaffel im Einsatz war, blieb die Veranstaltung insgesamt friedlich. Kleinere, von außen herangetragene Provokationen hätten durch gezielte Ansprache bewältigt werden können. Das Einsatzkonzept habe sich vollauf bewährt, sagte eine Sprecherin der Polizei. Ein von der Stadt Mannheim zunächst verhängtes Demonstrationsverbot hatte das Verwaltungsgericht Karlsruhe kurzfristig aufgehoben. Die Stadt hatte Ausschreitungen zwischen national orientierten Türken und emotional bewegten kurdischen Demonstranten befürchtet und vor einer Beschädigung des gesellschaftlichen Klimas gewarnt.

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