Mannheim

Nationaltheater Prozess um Entlassung einer Referentin

Gericht will jetzt Zeugen befragen

Archivartikel

Die 12. Kammer des Landesarbeitsgerichtes (LAG), die sich gestern mit der außerordentlichen wie fristlosen Kündigung der Personalreferentin des Nationaltheaters beschäftigte, will Beweis erheben. Nach gut einstündiger Verhandlung verkündete der Vorsitzende Richter Stephan Müller den Beschluss, dass Zeugen geladen werden. Beispielsweise soll der einstige Technische Direktor, mit dem sich die Stadt auf eine Trennung geeinigt hat, befragt werden.

Seit einigen Monaten arbeitet die entlassene Personalreferentin wieder im Bühnen-Personalbüro. Sie hatte ihre Kündigungsschutzklage samt Anspruch auf eine sogenannte Prozessbeschäftigung gewonnen. Weil die Stadt Berufung einlegte, ging das Verfahren vors LAG.

Rätselhaftes Protokoll

Wie schon in erster Instanz standen seit Jahren aufgeschriebene, aber nicht geleistete Überstunden als pauschaler Ausgleich für jene Erschwerniszulage im Mittelpunkt, die dem Transportarbeiter bei seiner Beförderung zum Abteilungsleiter gestrichen worden war. Der Personalreferentin wird zur Last gelegt, sie habe sieben Mehrstunden pro Monat auf den Forderungszetteln – entweder vom Technischen Direktor oder seiner Sekretärin abgezeichnet – nicht nur akzeptiert, sondern diesen „Grauausgleich“ ursprünglich selbst vorgeschlagen. Das bestritt der Anwalt der Endfünfzigerin vehement und verwies darauf, dass die Personalreferentin zur fraglichen Zeit gerade mal drei Monate beim Theater angestellt gewesen ist.

Auch gestern blieb nebulös, welche Behauptungen zutreffen und welche nicht. Der Anwalt der Stadt, Tassilo-Rouven König, berief sich darauf, dass sowohl der Fahrdienstleiter wie der Technische Direktor übereinstimmend ausgesagt hätten, dass die Idee der Pauschalüberstunden anstelle der weggefallenen Zulage von der Personalreferentin stamme. Allerdings fehlen bei dem Protokoll zu deren Anhörung im März 2017 die Unterschriften. Anwalt Andreas Günthert erklärte, dass ihm der Rechtsbeistand des gefeuerten Technik-Direktors mitgeteilt habe, dass sein Mandant so etwas nie behauptet habe.

Hat die Stadt für ihre außerordentliche Verdachtskündigung überhaupt hinreichend recherchiert und hätte nicht eine ordentliche Entlassung gereicht? Diese Fragen warf Richter Müller auf. Als Zeuge will er auch den Fahrdienstleiter hören, dessen Verfahren vor einer anderen LAG-Kammer läuft. Dieser hat bis auf Weiteres als „Prozessbeschäftigter“ wieder Bühnentransporte übernommen. Erstaunlicherweise erhält er dafür die strittige Erschwerniszulage – weil er nicht mehr als Chef fungiert. wam

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