Mannheim

Besondere Bescherung Welche Freude der „MM“-Hilfsverein mit Spielzeug für Kinder auslöst / Lebensmittel für ältere Menschen

Geschenke im Glitzerparadies

Archivartikel

Lilian (2) rennt umher. Was glitzert es hier so herrlich! Tausende winzige Lichtlein schmücken das Quartier Q 6/Q 7, Figuren von Pinguin und Eisbär stehen da. Die Kleine weiß gar nicht, wo sie zuerst hinrennen, hinschauen soll. „Sie hat so viel Energie“, sagt seufzend und lächelnd ihre Mutter. Doch wunderbar sind nicht nur die Eindrücke. „Wunderbar“ nennt die alleinerziehende Mutter auch, dass sie an diesem Tag ein Geschenk für ihre Kinder hier abholen kann – bei der „MM“-Aktion „Wir wollen helfen“.

Das ganze Jahr über ist der „MM“-Hilfsverein bereit, bei besonderen Notlagen einzugreifen. In der Vorweihnachtszeit wenden wir uns speziell Kindern aus armen, zerrissenen Familien zu. Dann geben wir aus Spendenmittel gekauftes Spielzeug sowie Gutscheine an jene (meist nur Teil-) Familien, bei denen es sonst keine Bescherung gäbe.

In diesem Jahr ist aber alles anders – schöner, viel schöner. Zwar müssen wegen Corona strenge Hygieneauflagen eingehalten werden. Aber noch nie durfte die „MM“-Aktion in so herrlich geschmücktem, glitzernden Ambiente die Geschenke ausgeben. Doch diesmal hat Hendrik Hoffman, Centermanager des Quartieres Q 6/Q 7, einen großen Raum dafür zur Verfügung gestellt.

Doch wie kommen die vom Kaufhof in P 1 nach Vorgaben des „MM“-Hilfsvereins passend zu Alter und Geschlecht der jeweiligen Kinder gepackten Geschenke nach Q 7? Da gibt es zum Glück das Technische Hilfswerk (THW). „Unsere Stärke ist es, auch dann zu funktionieren, wenn die äußeren Umstände widrig sind“, so THW-Ortsbeauftragte Nicole Dudziak. Trotz Corona hilft sie daher mit Lkw und Matthias Kerkmann als Fahrer, beide schleppen mit dem Team vom „MM“-Hilfsverein die hübschen Päckchen.

Und auch wenn beim Abholen alle Masken tragen müssen – man sieht das Lächeln in den Augen, spürt Rührung und Dankbarkeit an der Stimme. „Da freut sich aber meine Maus“, sagt eine Mutter liebevoll über ihr Kind, als sie das Präsent abholt. „Voll schön, was Sie hier machen, richtig toll, wie schööööön“, meint dankbar eine andere Frau. „Das ist ja so wichtig, was Sie machen. Sie glauben gar nicht, wie wenig man sich leisten kann von Hartz IV – und die Wünsche der Kinder sind soooo groß“, macht eine Mutter eine weit ausladende Handbewegung. „Wir wissen das sehr zu schätzen“, dankt eine andere Mutter. „Ohne sie wäre Weihnachten schwierig, sehr schwierig“, so eine andere Frau mit gepresster Stimme, die hörbar schluckt und sich dann schnell umdreht.

Aber nicht nur an ganz kleine Kinder denkt die „MM“-Aktion. Für die Älteren ist Joachim Krause von der Quadratebuchhandlung bereits seit Jahrzehnten wichtiger Partner, denn er löst die Büchergutscheine des „MM“-Hilfsvereins ein. Seine Mitarbeiterin Andrea von Boeltzig, die auch viel Erfahrung als Lesepatin in Schulen hat, sucht dafür das kind- und jugendgerechte Sortiment aus und präsentiert es ansprechend.

„Ich weiß ja, wo es im Argen liegt“, so von Boeltzig: „Ich will Leselust wecken, Lern- und Sprachkompetenzen stärken“, betont sie. Bücher wie „Schlauticken“, Wörterbücher oder „Björn, das Büffelschaaf“, mit dem das Lernen Spaß macht, seien die beliebtesten Titel gewesen, auch „die üblichen Kinderbuchklassiker“, so die Buchhändlerin: „Die Leute sind sehr, sehr dankbar“, sagt sie.

Das gilt ebenso für die älteren Menschen, die „Wir wollen helfen“ zu Weihnachten stets bedenkt. Wegen Problemen mit Haltbarkeit von Lebensmitteln und zunehmenden Allergien haben wir die früher üblichen Lebensmittelpakete komplett durch Lebensmittelgutscheine von Marktkauf und Aldi abgelöst. Geblieben ist aber das Ziel: dass arme, ältere Menschen sich den Tisch wenigstens zum Christfest etwas reicher decken können, als willkommene Abwechslung und Ergänzung für den sonst ärmlichen, von verbilligten Einkäufen in Tafel-Läden diktierten Speisezettel – es ist auch ein Zeichen der Solidarität mit einer Generation, die ganz viel erlebt, ja erlitten hat und nun mit karger Rente nach einem oft entbehrungsreichen Leben nicht das Gefühl haben darf, alleingelassen zu werden.

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