Mannheim

„MM“-Telefonaktion Rechtsexperten beraten Leser am Hörer / Hoher Informationsbedarf beim Thema „Corona und Reisen“

Gesundheitsschutz macht Sorgen

Mannheim.Bei der „MM“-Telefonaktion zum Thema Corona glühten die Drähte. Bei Rechtsanwältin Carolin Krause, die als Tätigkeitsschwerpunkt auch Reiserecht hat, klingelte das Telefon fast ununterbrochen. Und war sie am Hörer, klopften weitere Hilfesuchende bereits in der Leitung an. Zwei Stunden war sie da, etwa 20 Leser des „MM“ hat sie beraten.

Dabei schilderten viele Leser ähnliche Probleme. Häufig wollten sie wissen: Wird meine bevorstehende (Pauschal-)reise durchgeführt – und wie? Krause betonte dazu: Es gelte leider erstmal abzuwarten, wie sich die Lage nach dem Ablauf der weltweiten Reisewarnung nach dem 13. Juni entwickle. Sie zeigte den Anrufern die aktuelle Rechtslage auf und empfahl, je nach Reisetermin, sich mit dem Veranstalter kurzzuschließen. „In der Regel besteht hier Entgegenkommen“, so Krause.

Dennoch: Stand Mittwoch ist, dass Reisen nach dem 13. Juni vorerst nicht kostenfrei sondern nur nach den AGB der Veranstalter storniert werden können. Und das bedeute teilweise „nicht unerhebliche Stornierungskosten“, erklärte Krause. Denn allein die „Angst“, dass der Urlaub nicht so wird, wie erwartet, rechtfertige keinen kostenfreien Rücktritt.

Gutschein annehmen?

„Haben Sie eine Annullierungsbestätigung“, hakte Krause im Telefonat nach und lauschte daraufhin der Leserin. Der Grund? Eine solche mache es leichter, den Erstattungsanspruch durchzusetzen, erklärt Krause. Denn die Sprache kam auch auf Gutscheine, die Reiseveranstalter oder Flugunternehmen aktuell anbieten. Wird ein Flug von der Gesellschaft annulliert oder die Reise durch den Veranstalter abgesagt – muss der Gutschein nicht angenommen werden, schilderte Krause am Telefon. Ein Angebot beispielsweise eines Fluggutscheins sei seitens der Unternehmen natürlich nachvollziehbar, so Krause. Doch (Stand Mittwoch) habe der Reisende, auch angenommen, der Flug sollte in der EU starten, „Anspruch auf Rückerstattung des gezahlten Flugpreises in Geld“.

Fragen zum Arbeitsrecht

Auch Esther Beckhove, Fachanwältin für Arbeitsrecht, hatte zahlreiche Anrufer – und gleich zu Beginn eine Leserin, die komplizierte Fragen zum Arbeitsrecht stellte. Es ging um Verträge, um mündliche und schriftliche Vereinbarungen, um Zeitpunkte und Fristen. Und besonders ging es bei auch emotionalen Fragen der Leser um den Gesundheitsschutz. Eine Leserin befragte Beckhove zu Plexiglasschutzwänden an ihrem Arbeitsplatz. Beckhove hakte genau nach: Wo befindet sich die Plexiglaswand? Wie ist sie ausgestaltet? Wann und wie kehrt die Leserin an diesen Arbeitsplatz zurück? Ein weiteres großes Thema, das den Lesern bei den Anrufen auf dem Herzen brannte, war die Kurzarbeit. Beckhove erklärte dazu geduldig die Sachverhalte der aktuellen Lage – und die Rechte von Beschäftigten.

Derweil blieb es im Telefonraum von Rechtsanwalt Alexander Sauer verhältnismäßig ruhig. Der Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht hatte recht wenige Anrufe erhalten. Für ihn bestätigte das aber vor allem eine Wahrnehmung, die er schon in der Krise in seiner praktischen Arbeit beobachtet hat: Er hat nämlich den Eindruck, dass Vermieter und Mieter in der Corona-Krise bisher größtenteils im Dialog stehen.

Mietern und Vermieter oft einig

Insbesondere, wenn es um Zahlungen geht. Im Verlauf der Krise wird eher abgewartet – zudem war der Staat mit Soforthilfen und Regelungen recht schnell aktiv. Zwei Beispiele, bei denen öfter Klärungsbedarf gebe, sind Fälle wie „Handwerker in Wohnung“ oder „Umziehen während Corona“.

Auch bei Denny Krupp von der Arbeitsagentur Mannheim war es eher ruhig am Telefon. Doch auch er sagt dazu: „Wenn es anderes wäre, müssten wir als Arbeitsagentur uns Sorgen machen.“ Krupp sieht, dass die Menschen zumeist gut informiert sind, und deutet dies auch so, dass die Hotline- und Infoangebote der Arbeitsagentur in der Krise funktioniert haben.

Zum Thema