Mannheim

Tarifverhandlungen Bei einem Warnstreik legen rund 130 Mitarbeiter für eine Stunde ihre Arbeit am Universitätsklinikum nieder

„Gewinn steht über der Gesundheit“

Archivartikel

Eine rot-weiße ver.di-Fahne weht bei lauem Wind im Sonnenschein. Menschen formieren sich auf dem Platz vor dem Haupteingang des Universitätsklinikums. Es sind die Mitarbeiter, die sich sammeln und für eine Stunde ihre Arbeit niederlegen. Schätzungen des Veranstalters ver.di und des Klinikum-Betriebsrates zufolge nehmen rund 130 Menschen an dem Warnstreik teil. Laut dem örtlichen Streikleiter Bernd Gräf habe man das Aufkommen absichtlich klein gehalten, um Patienten nicht zu gefährden und „erst einmal ein Zeichen zu setzen“.

Mitarbeiter überlastet

„An die Geschäftsführung“, steht auf einem großen Blatt an einer Tafel am Rand der demonstrierenden Menge. „Darum ist ein weiterer Personalabbau Wahnsinn.“ Die streikenden Mitarbeiter können ihre Gründe darunter schreiben. „Wir sind überlastet“, heißt es. „Jetzt schon sind Patienten gefährdet.“ Doch über mehr Personal wird gerade nicht verhandelt, wie Gräf erklärt. „Leider!“, sagt er. „Das sind nur Gehaltsverhandlungen.“ Mehr Geld könne aber Berufe in der Branche attraktiver machen. „So gibt es dann vielleicht in Zukunft wieder mehr Fachkräfte“, sagt Gräf. „Zur Zeit steht der Gewinn aber über der Gesundheit.“

Ein Mitarbeiter in der Physiotherapie steht einzig und allein wegen des Personalmangels vor dem Haupteingang und verweigert die Arbeit. „Es ist nicht so einfach in Worte zu fassen, warum ich streike“, sagt er. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. „Seit 1992 bin ich hier am Klinikum. Am Anfang war es gut. Das hat sich dann zu ,schlecht’ entwickelt. Und nun haben sich die Umstände von ,schlecht’ zu ,gefährlich’ gewandelt.“ Die Forderungen der Gewerkschaft in den derzeitigen Tarifverhandlungen sind ihm nicht sonderlich wichtig. Er brauche keine sechs Prozent mehr Lohn. Wichtiger sei ihm eine Aufstockung des Personals. Es würden immer mehr Patienten auf immer weniger Mitarbeiter verteilt. So gehe es bei Weitem nicht bloß dem Klinikum, sagt Sebastian Höhn, Sprecher der Vertrauensleute bei ver.di ins Mikrofon. Der ganze Öffentliche Dienst sei eine Daseinsvorsorge. Ob Krankenpfleger, Erzieher oder Müllentsorger – all diese Menschen seien unverzichtbar.

Die Gewerkschaft fordert neben den sechs Prozent mehr Lohn unter anderem auch, dass die Nachtzuschläge erhört werden. Die Arbeitgeberverbände verweisen indes auf die „problematische Haushaltslage“ der Kommunen. „Unsere Chancen liegen bei 50 Prozent“, sagt Bernd Gräf. „Das war Anfangs einmal besser.“ Die nächste Verhandlungsrunde findet am 15. und 16. April statt.

Gräf verweist noch einmal auf die Notdienstvereinbarung, die die Versorgung von Notfällen und die Behandlung der bereits stationär aufgenommenen Patienten sicherstellt. „Das ist uns sehr wichtig“, sagt er.

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