Mannheim

Kinder-Uni Mannheimer Organistin vertont mit Schülern einen Stummfilm auf der Kinoorgel im Technoseum

Gezwitscher und Gehupe für junge Filmfans

Archivartikel

Mannheim.Als der Film noch in den Kinderschuhen steckte, gab es keinen Ton. Doch stumm war es in den Kinos und Lichtspielhäusern trotzdem nicht. Pianisten und Geräuschemacher gaben dem Geschehen auf der Leinwand einen Ausdruck. Anfang des 20. Jahrhunderts verbreitete sich von den USA aus eine Erfindung, die bis heute einen ganz eigenen Zauber besitzt: die Kino-Orgel. Sie hat Pfeifen, die Töne erzeugen, aber sie ist auch eine Meisterin im Nachahmen von Alltagsgeräuschen: So lässt sie die Zuschauer glauben, dass hier Vögeln zwitschern, dort ein bedrohlicher Sturm aufzieht oder gerade ein Auto hupend um die Ecke biegt.

Gemeinsames Projekt

In Europa gibt es nur noch wenige funktionstüchtige Exemplare. Eines steht im Technoseum: Das Instrument der Firma Welte und Söhne stammt aus dem Jahr 1927. Um die Kinoorgel, die Geschichte des frühen Kinos und die musikalische Untermalung von Stummfilmen dreht sich die Kinder-Uni am Samstag, 9. Juni, 15 Uhr. Wie ist eine Kino-Orgel aufgebaut und wie muss sie bedient werden? Wie genau entstehen die Töne und Geräusche, die den Film erst lebendig werden lassen? Wie kommt ein solches Vogelgezwitscher und Hupen auf dem Instrument zustande? Diese Fragen sollen bei der Kinder-Uni „Von der Orgelpfeife zur Filmmusik“ beantwortet werden. Das Projekt von Technoseum und „Mannheimer Morgen“ richtet sich an Film-Fans zwischen acht und zwölf Jahren.

Gezeigt werden Ausschnitte aus dem Film „Die Reise zum Mond“ des französischen Regisseurs Georges Méliés – ein Stummfilm aus dem Jahr 1902 und einer der ersten Science-Fiction-Filme überhaupt. Bei der Kinder-Uni folgt auf die Theorie stets auch Praxis: Die jungen Filmstudenten dürfen die Filmausschnitte zuerst selbst vertonen, etwa durch Klatschen, Schnipsen oder Singen. Und dann können sie sich natürlich auch davon überzeugen, wie die Kinoorgel dies meistert.

Dafür hat sich die Organistin Christiane Michel-Ostertun eigens einen passenden Soundtrack ausgedacht. Die Mannheimerin beherrscht das Spiel auf der Kino-Orgel, hat sie doch etliche Male auf ihr Filme begleitet und mit Eigenkompositionen untermalt, etwa den Hans-Kyser-Stummfilm „Luther“ aus dem Jahr 1927. Um diesem Instrument die passenden Töne entlocken zu können, müsse man „einen Zugang zur Improvisation haben“, sagt sie. Michel-Ostertun ist heute Professorin für Liturgisches Orgelspiel und Improvisation.

Auch hat sie mehr als 20 Jahre Erfahrung mit jungen Zuhörern: Zusammen mit Regisseurin und Schauspielerin Eva Martin-Schneider aus Heddesheim, die ebenfalls bei der Kinder-Uni dabei ist, gibt sie Orgelkonzerte für Kinder.

Bei der Kinder-Uni freut sich Michel-Ostertun deshalb auch besonders darauf, „aufgeweckte Kinder“ zu informieren. Denn die „stellen oft Fragen, die Erwachsene niemals stellen würden“, sagt Michel-Ostertun und lacht. „Man muss auf alles gefasst sein.“ Und natürlich ist es ihr auch jedes Mal ein Vergnügen, hinter der Kinoorgel Platz zu nehmen und ihr emotionsgeladene Melodien und Töne zu entlocken.

Info: Das Technoseum ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Das Museumsschiff (Kurpfalzbrücke) ist täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Die Museumsbibliothek (Museumsstraße 1) ist Dienstag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr geöffnet