Mannheim

„Erkennen Sie Mannheim?“ Gesucht waren in Folge 158 die Jesuitenkirche und der Asamplatz

Glücksmomente und Glockengeläut

Eigentlich war unser kleiner Tipp bei der Frage zur Folge 158 von „Erkennen Sie Mannheim?“ gar nicht nötig: Dass links auf dem Foto, das in den späten 1970er Jahren entstand, die Jesuitenkirche zu sehen ist, hätten die allermeisten der Rätselfreunde bestimmt auch so gewusst. „Mit dem ’Oh Gott’ meinten Sie die Kirche“, schrieb uns Rolf Pfeiffer, und brauchte die Hilfe doch nicht: Schließlich ist er oft „in den 60er Jahren mit dem Fahrrad von der Neckarstadt ins Eisstadion“ an dieser markanten Stelle vorbeigekommen. Die Kirche, der Asamplatz, die ganze Umgebung – sie rufen schöne Erinnerungen wach bei unseren Lesern. Sie erzählen Geschichten von Hochzeiten und Taufen, selbst gesungenen Konzerten und Christmetten, von Krippen, Studentenzeiten und Glocken.

Hochzeiten und Taufen

Manfred Hexamer weiß aus eigenem Erleben, wie schwer zerstört die Stadt durch die Fliegerangriffe im Zweiten Weltkrieg war, die Bomben trafen nicht nur das alte Nationaltheater im Quadrat B 3, sondern auch die Jesuitenkirche. In den 50er Jahren – der junge Manfred ging noch zur U 2-Schule – machten er und seine Klassenkameraden einen Ausflug zum Gotteshaus: „Um die Mittagszeit wurden an diesem schönen Sommertag die neuen Kirchenglocken in den restaurierten Glockenturm montiert“, eine amerikanische Transport-Einheit brachte sie in Tiefladern auf den Platz. „Mit einem riesigen Spezialkran der US-Armee mit speziellem Ausleger wurden die Glocken dann unter Spannung und großer Begeisterung einer stattlichen Anzahl von Zuschauern in die Höhe gehievt“, schreibt er. „Dies alles wird vor meinem geistigen Auge wieder lebendig, wenn ich das Bild betrachte.“

Auch für Erika Emmerich war das Rätsel leicht zu lösen, „In der Kirche war im Juni 2014 die Hochzeit unserer Nichte und im April 2018 die Taufe ihrer Zwillinge.“ Elfi Claus hat auf dem Platz vor der Kirche anlässlich einer Hochzeit „einen wunderschönen Sektempfang sei strahlendem Sonnenschein“ miterlebt, und auch Klaus Hinkel war „zwei bis drei Mal zu Hochzeiten von Freunden in der Kirche“. Und immer wenn er Besuch von außerhalb hat, „steht ein Besuch der Jesuitenkirche auf dem Besichtigungsprogramm.“ Überhaupt: Viele Mannheimer fühlen sich mit dem Gotteshaus in besonderer Weise verbunden, Barbara Schneider etwa: „Für mich ist Weihnachten erst Weihnachten und Ostern erst ein richtiges Fest, wenn ein Gottesdienst-Besuch in der Jesuitenkirche stattfinden kann.“ Hildegard Stay geht es ähnlich: „Obwohl ich evangelisch bin, ging ich früher in den Weihnachtsferien mit meinen Kindern die wunderschöne Krippe anschauen. Und das mache ich immer noch – allein – im Januar.“ Gisela Schneider hat in den 90er Jahren bei einem Benefiz-Konzert für die Restaurierung des Hochaltars mitgesungen: „Wir haben die großartige F-Moll-Messe von Bruckner in der Jesuitenkirche aufgeführt“, immer, wenn sie hier vorbeikommt, „muss ich an dieses Erlebnis denken“.

Ein Stück „alte Heimat“

So geht es nicht nur ihr, auch Gerhard Schmitt und Christiane Walz haben schon stimmlich das Gotteslob in Chören hier erklingen lassen, und Kathrin Zeilfelder, deren Onkel im Jesuitenorden war, hat „als Kind und Jugendliche viel Zeit in der Jesuitenkirche verbracht“ wie sie uns schreibt – „auch, um die legendären Predigten von Karl Weich zu hören“. Dass man dort mitunter auch Promis treffen konnte, davon berichten Thomas Krohne und Reinhard Siegel – beide sind in der Kirche dem inzwischen verstorbenen Altbundeskanzler Helmut Kohl begegnet.

Jürgen Beres war als Kind in der katholischen Jugend und Ministrant in der Jesuitenkirche, so kam er „ab Sommer 1955 bis 1961“ fast jährlich zu den Kinder- und Jugendfreizeiten der Pfarrei. „Das war für die Eltern erschwinglich und für uns Kinder erholsam und abenteuerlich. . . eine schöne Zeit, die ich nie vergessen werde.“ Klaus Pillmeiers Blick wendete beim Betrachten des Bildes auch nach rechts, da „ist später die Uni“, weiß er und erinnert sich: „Es waren schöne Unizeiten hier.“ An die Studentenzeit denkt auch Benedicta Glaser-Berberich zurück, wenn sie das Rätselfoto sieht, „weil ich während meines Studiums in C 3 gewohnt und fast täglich den Durchgang zwischen beiden Quadraten Richtung Schloss genommen habe“.

Für Christa Adadé ist die Gegend dort schlicht ein Stück Kindheit: „Der Eingang am Anfang der rechten Seite. . . in diesem Haus sind wir, meine Schwester und ich, aufgewachsen. Ich komme noch oft in die Jesuitenkirche, zum Schillerplatz – für mich alte Heimat.“

Info: morgenweb.de/ erkennensiemannheim