Mannheim

Sicherheit Das World Wide Web bietet beste Vernetzung und Unterhaltung, aber es lauern auch Fallen / Ermittler pocht auf strengere Gesetze

Gratwanderung zwischen Spaß und Gefahr

Archivartikel

„Das Internet ist vergleichbar mit dem Straßenverkehr: Wir können nicht ohne, aber wir müssen uns der Gefahren bewusst sein“ – das sagt Staatsanwältin Beate Cohrs aus der Abteilung „Cybercrime“. Sie selbst nutzt das virtuelle Angebot mit Begeisterung, sie ist ebenso wie andere Kollegen bei der Kommunikationsplattform Facebook angemeldet, kennt die Vorteile und sie hat Spaß, wenn sie im Internet unterwegs ist. Allerdings weiß sie auch, wo Gefahren lauern. „Wenn eine vermeintliche Bank über Facebook Kontakt aufnehmen will, kann sich der Nutzer sicher sein, dass Betrüger dahinter stecken“, nennt sie nur ein Beispiel. Ihr Kollege Thomas Pfeiffer appelliert an den gesunden Menschenverstand, weiß aber, dass dieser durch reizvolle Versprechen schnell schwächelt: „Es muss einem klar sein: Niemandem wird etwas geschenkt.“ Wem hohe Geldbeträge für wenig Einsatz angeboten werden, der sollte hellhörig werden.

Opfer müssen sich nicht schämen

Zugleich betont Pfeiffer: „Wer Opfer von Internetkriminalität wird, braucht sich nicht zu schämen.“ Er glaubt, dass die tatsächliche Anzahl der Opfer viel höher ist, weil viele sich nicht trauen, zur Polizei zu gehen. „Erst im Nachhinein fällt vielen auf, wie leichtgläubig sie waren.“

Der Ermittler beobachtet einen Widerspruch in der Gesellschaft: „Es gibt viele, die sich vehement gegen Vorratsspeicherung aussprechen, den Datenschutz hochhängen. Zugleich wundere ich mich, wie viele Leute leichtfertig ihre Daten preisgeben. Für ein Gewinnspiel wird häufig, ohne zu überlegen, die Adresse mit Geburtsdatum und E-Mail-Adresse eingetippt. Solche Angaben sind für Kriminelle viel Geld wert“, weiß er, möchte Internetnutzer sensibilisieren, vorsichtiger zu sein.

Der Staatsanwalt hofft zudem auf zeitnahe Gesetzesänderungen. „Wir sprechen viel von Datenschutz, allerdings wird meiner Meinung nach das Ausspähen von Daten noch zu gering bestraft“, findet der Experte. Im Strafgesetzbuch (StGB), Paragraf 202a, ist die Strafzumessung festgelegt, es droht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt Pfeiffer. Bis jetzt nicht strafbar ist allein das Betreiben einer kriminellen Plattform im sogenannten Darknet. Allerdings gebe es dazu bereits Gesetzentwürfe, berichtet der Staatsanwalt und begrüßt diese Entwicklung. Denn es sei sehr schwer, solchen Betreibern ihre Mitschuld nachweisen.

Oft schwierige Beweislage

Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) hatte kürzlich eine solche Ermittlungsarbeit der Mannheimer Staatsanwaltschaft bestätigt. In dem Urteil war der Karlsruher Betreiber eines Untergrundforums im Internet verurteilt worden.

Er hatte über das Darknet dem Schützen des Amoklaufs im Münchner Einkaufszentrum im Juli 2016 Waffen vermittelt. Neun Menschen waren bei dem Anschlag ums Leben gekommen. Der Betreiber der Internetplattform war unter anderem wegen fahrlässiger Tötung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Die Verteidigung hatte Revision eingelegt – schließlich habe der Mann mit der Tat nichts zu tun gehabt – doch die Revision wurde vom BGH verworfen. „Das war ein großer Erfolg für uns, aber nicht immer ist die Beweislage so günstig“, so Pfeiffer.

Neue Gesetze, höhere Strafen und gebotene Umsicht, das wünscht sich der Chef der „Cybercrime“-Abteilung. Freude dürfe das Internet trotzdem machen. Wer allerdings mit viel Spaß im Internet Gas geben möchte, sollte sich ganz selbstverständlich anschnallen. Virtuell, versteht sich. abo

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