Mannheim

„Jazz im Quadrat“ Die Black Harmony Gospel Singers treten am 8. Dezember in der Christuskirche auf

Große Stimmen vor dem Fest

Archivartikel

Es ist schon zu einer schönen Tradition geworden, dass der „Mannheimer Morgen“ in der Vorweihnachtszeit mit einem „Gospel Special“ in seiner Veranstaltungsreihe „Jazz im Quadrat“ auf das Fest einstimmt. In diesem Jahr sind am zweiten Adventssonntag, 8. Dezember, um 18 Uhr die Black Harmony Gospel Singers im wunderbaren Ambiente der Christuskirche zu Gast.

Es ist ein ganz besonderes Ensemble, das der „MM “ an diesem Abend präsentiert. Die französische Gruppe setzt nicht auf viele Sänger, sondern auf starke Stimmen. Fünf Vokalistinnen und Vokalisten sowie ein Pianist reichen den Black Gospel Harmony Singers aus, um eine machtvolle Klangfülle auf die Bühne zu zaubern.

Die Formation wurde 1994 von Jérémie Viraye gegründet und hat seither Konzerte mit weltberühmten Künstlern gegeben. Unter anderem trat das Ensemble mit Andrea Boccelli, Tina Arena und keinem Geringeren als Phil Collins auf.

Nach Mannheim bringt Jérémie Viraye fünf weitere Bandmitglieder mit: Haja Jean-Marc Andriamanohy, Sarah Gueritault, Tess Hedréville, Christophe Nemel und Marina Tacite stammen aus Westindien und Afrika – und sie sind der lebende Beweis dafür, dass sich der Geist der Gospel-Musik weit über den afroamerikanischen Kulturraum der USA hinaus verbreitet hat.

Gospel ist die modernere Form des afroamerikanischen Kirchengesangs – also jener christlichen Lieder, mit denen die schwarze US-Bevölkerung etwa seit dem 18. Jahrhundert ihr Gotteslob zelebrierte. Typisch für diese Musik ist, dass dabei hoffnungsvoller Optimismus mit der leidvollen Erfahrung des Sklavendaseins eine ganz eigentümliche doppelbödige Mischung aus Zuversicht und Traurigkeit eingeht. Aus diesen archaischen Spirituals entstanden im frühen 20. Jahrhundert die stärker auskomponierten und durcharrangierten Gospelsongs.

Bewegende Besinnlichkeit

Die Black Harmony Gospel Singers verkörpern diese moderne Stilrichtung, in der auch Jazz- und Popeinflüsse spürbar sind. Was nicht weiter verwunderlich ist, weil zum Beispiel die Soulmusik eines Ray Charles oder einer Aretha Franklin aus dem Gospel entstanden ist.

Und so dürfen sich die Besucher des „Jazz im Quadrat“-Konzertes mit den Black Harmony Gospel Singers auf Klassiker wie „Oh Happy Day“, „Down By The River Side“ oder „Amazing Grace“ freuen. Aber die Gesangsgruppe hat auch Popsongs wie „Lean On Me“ von Bill Withers oder die US-Bürgerrechtshymne „We Shall Overcome“ im Programm. Ebenso wie Stücke aus dem Repertoire von Michael Jackson oder Aretha Franklin und Jazz-Kompositionen von Duke Ellington, dessen festliches „Come Sunday“ zu einem Gospel-Standard geworden ist.

Die Black Harmony Gospel Singers interpretieren all diese Lieder auf facettenreiche Weise: mal in kollektivem Gleichklang, dann wieder in reizvoller Mehrstimmigkeit, in bewegender Besinnlichkeit oder auch mit mitreißender Extrovertiertheit. Und wenn Jérémie Viraye mit volltönendem Bariton in dem alten Spiritual „Go Down Moses“ die Aufforderung „Let My People Go“ (Lass mein Volk ziehen) anstimmt, und damit den Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Gefangenschaft und zugleich das Leid der schwarzen Sklaven in den USA thematisiert – dann spielen Stile und Genres im emotionalen Überschwang sowieso keine Rolle mehr. Das wird beim Publikum für Gänsehaut sorgen.

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