Mannheim

Nachruf Notar Rainer Preusche verstorben

Großer Streiter für die Kunst

Archivartikel

Lange war er oft zu sehen, bei Vernissagen und Festen – ein stets sehr freundlicher, zurückhaltender, angenehmer wie sachkundiger Gesprächspartner. Doch zuletzt hatte er sich sehr zurückgezogen. Nun ist Rainer Preusche, pensionierter Notariatsdirektor und mehr als ein Vierteljahrhundert Vorsitzender des Mannheimer Kunstvereins, im Alter von 75 Jahren gestorben.

Seine Großmutter sagte immer, „man soll aufhören, wenn es am besten schmeckt“, begründete Preusche 2013, warum er die Führung des Vereins abgab, um sich mehr seinen Enkeln widmen zu können. „Ich bin ja nicht ganz weg“, versprach er aber, war er doch nach seiner Pensionierung als Notar noch als Anwalt und für die 1977 gegründete Albert und Anneliese Konanz-Stiftung, deren Mittel der Hochschule Mannheim zufließen, tätig. Da er möglichte er Kooperationsprojekte, etwa Ausstellungen von Studenten, im Kunstverein. Für sein Engagement hatte die Hochschule Preusche 2012 zum Ehrensenator ernannt.

Viele Sponsoren gewonnen

Der Kunstverein bedankte sich 2013 bei Preusche zum Abschied mit der – selten verliehenen – Freiherr von Stockhorn-Medaille sowie der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. Immerhin hatte er seit 1987 den Verein nicht nur geführt, sondern maßgeblich geprägt und mit einer Mischung aus besonderem Charme, Durchsetzungsfähigkeit und persönlicher Bescheidenheit zum großen Erfolg geführt. Dabei verband er großes Engagement mit viel Sinn für die künstlerischen Inhalte und Organisationstalent.

In seiner Ära gab es nicht nur große Ausstellungen mit Künstlern wie Henri Cartier-Bresson, Joseph Beuys, Timm Ulrichs, Miwa Yanagi, Kara Walker und Neo Rauch. Er sorgte dafür, dass dem 1833 gegründeten Verein neben dem Ruf als innovatives Kunsthaus auch eine wachsende gesellschaftliche Bedeutung zukam, gewann viele Sponsoren und Freunde. Zum 175-jährigen Bestehen 2008 holte er den früheren Ministerpräsidenten Lothar Späth als Festredner.

Auch zum „Mannheimer Morgen“ pflegte Preusche eine besonders enge Beziehung, durfte er doch als Notar nach dem Tod des langjährigen Herausgebers Karl Ackermann als Testamentsvollstrecker dessen Beteiligung zugunsten von dessen Enkel für einige Jahre verwalten und erhalten. Als Mitglied im Beirat des „MM“ lernte er so, wie er mal sagte, „einen Wirtschaftszweig von faszinierender Vielfalt kennen“, in den er sich mit großem Verantwortungsgefühl und Einsatz intensiv einarbeitete und einbrachte. pwr

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