Mannheim

Coronavirus Stadt verschärft ihre Vorkehrungen / Treffen von mehr als zehn Menschen untersagt / Behörden schließen

Grüne Oasen zu, keine Gruppen über zehn Personen  – Stadt verschärft Maßnahmen

Der Massenansturm in Gimmeldingen am Wochenende trotz abgesagtem Mandelblütenfest und Tausende von Menschen, die sich in den Stadtparks drängen oder am Rheinufer liegen – dieses Bild hatte Oberbürgermeister Peter Kurz vor Augen. Und das darf es nicht mehr geben. Daher hat die Stadt am Dienstagabend neue Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus angeordnet, die noch über die strengen Vorschriften der Landesregierung hinausgehen. Danach werden ab diesem Mittwoch Luisen- und Herzogenriedpark geschlossen, zudem Strandbad, Neckar- und Rheinwiesen sowie alle Spielplätze im Stadtgebiet abgesperrt. Verboten sind zudem alle Treffen und Veranstaltungen von mehr als zehn Menschen, auch unter freiem Himmel.

Acht weitere Fälle

„Es macht keinen Sinn, Einrichtungen zu schließen, wenn sich dafür an anderer Stelle Menschen in großer Zahl neu begegnen“, begründet dies der Oberbürgermeister. „Es geht jetzt um eine noch schnellere, noch deutlichere Reduktion aller nicht zwingend gebotener Kontakte“, so Kurz. Am Dienstag sind acht weitere Fälle von nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen gemeldet worden. Damit erhöht sich die Zahl der bestätigten Fälle in Mannheim auf 72. „Wo immer es möglich ist: Bleiben Sie zu Hause! Wenn Sie sich im Freien aufhalten, dann allein oder mit Ihren Nächsten“, appelliert Kurz daher an die Mannheimer. Wer beruflich Menschen begegnen müsse, solle die Hygieneregeln und einen Abstand von mindestens 1,5 bis zwei Metern einhalten. „Je rascher und entschiedener wir jetzt gemeinsam handeln, umso weniger lang werden diese Maßnahmen greifen müssen“, unterstrich er und forderte auch Unternehmen und andere Betroffene auf: „Sie müssen nicht auf Rechtsverordnungen und Verfügungen warten, handeln Sie schon jetzt,“ meinte er mit Blick auf Gastronomen, Geschäfte oder Veranstalter.

Er bezieht sich darauf, dass die Landesregierung für Mittwoch eine Rechtsverordnung angekündigt hat, wonach auch weite Teile des Einzelhandels zu schließen sind. Die Stadt werde dies „in Teilen ergänzen und verschärfen“, kündigt der Oberbürgermeister an. Danach werden nur noch Speisegaststätten zugelassen, die bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu zählen nicht nur hinreichende Abstände zwischen den Gästen, sondern auch eine Dokumentation von deren Personalien, um eine Nachverfolgung möglicher Infektionsketten für einen Monat sicherzustellen. Zulässig ist daneben allein der Straßenverkauf.

Geöffnet bleiben dürfen Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Friseure, Reinigungen, Waschsalons, Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte und Großhandel. Sie müssen aber strenge Regeln einhalten, etwa Warteschlangen verhindern.

Die Stadt schließt das Leihamt sowie die meisten Dienststellen und stellt komplett auf elektronische, telefonische und schriftliche Bearbeitung von Anliegen um.

An Veranstaltungen ist in nächster Zeit ohnehin nicht zu denken. Die städtische Reinigungswoche „Putz‘ Deine Stadt raus!“ ist abgesagt, sogar jetzt schon „Explore Science“, die naturwissenschaftlichen Erlebnistage der Klaus Tschira Stiftung im Luisenpark, die vom 24. bis 28. Juni sein sollten. Die Maimess und auch das Ende Mai geplante Stadtfest – es hätte 30. Geburtstag gefeiert – fallen in den Zeitraum, in dem laut Landesregierung nichts mehr stattfinden darf.

„Wir bedauern das zutiefst“, so Christine Igel, Geschäftsführerin der für Mess und Stadtfest verantwortlichen „Event und Promotion Mannheim“, doch das sei jetzt „zum Schutz aller geboten“, betont sie. „Sollte sich in absehbarer Zeit die Bewertung der Situation ändern, werden wir alle Bemühungen darauf richten, eine Alternative zum Stadtfest zu schaffen,“ macht sie ein klein wenig Hoffnung. Doch für die übliche Großveranstaltung mit fünf Bühnen hätte sie spätestens nächste Woche die Verträge unterzeichnen müssen – derzeit völlig undenkbar.

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