Mannheim

Ehrenamt Arthur Vogt, Vorsitzender des Bürgervereins im südlichsten Stadtteil, beim Sommerfest des Bundespräsidenten in Berlin

Gruß aus Rheinau für Steinmeier

Für Berliner klingt wohl alles gleich, was irgendwie aus dem Süden des deutschsprachigen Raums kommt. Als Arthur Vogt an jenem Nachmittag mit dem Taxi unterwegs ist, meint der Fahrer in breitestem Berlinerisch: „Det hier is Ihre Botschaft“ – und zeigt auf die diplomatische Vertretung von Österreich.

Viel zu erzählen hat Arthur Vogt, der Vorsitzende des „Gemeinnützigen Vereins Rheinau“, Dachorganisation der Vereine und sozialen Einrichtungen, Schulen und Kirchengemeinden von Mannheims südlichstem Stadtteil. Denn an jenem Tag ist er Gast von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Bürgerfest.

Als verdienter Ehrenamtlicher hat Vogt eine Einladung mit dem Bundesadler in Goldprägung. Und er kommt nicht mit leeren Händen: Als Geschenk hat er den Bildband „Mannheim-Rheinau“ mit Fotos von „MM“-Fotograf Thomas Tröster im Gepäck. Den will er überreichen.

Der Beginn der Feier ist eindrucksvoll. Als der Park voller Menschen ist, kündigt ZDF-Journalistin Dunja Hayali, in deren Händen die Bühnenmoderation liegt, den Gastgeber an: „Meine Damen und Herren, der Bundespräsident!“ Und alle, die vor der Bühne sitzen, auch Ministerpräsidenten, Minister und Botschafter, erheben sich. Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender treten aus dem Schloss auf die Terrasse, begeben sich dann zur Bühne.

First Lady ebnet den Weg

Steinmeiers Eröffnungsrede folgt der Rundgang – Vogts Chance für die Buch-Übergabe. Doch das ist nicht einfach. Der Präsident und seine Frau sind umringt von Sicherheitsbeamten. Einen weiteren Gürtel bilden die vielen Besucher, die ein Selfie mit dem Präsidenten wollen. Da wird gestoßen und gerempelt, um ins Innere des Trosses zu kommen.

Vogt arbeitet sich langsam vor. Am Ende ist es Elke Büdenbender, die dem charmanten Mannheimer den Weg zu ihrem Mann ebnet. „Vielen Dank für die Einladung“, sagt er und überreicht dem Präsidenten das Buch: „Eine kleine Erinnerung an unseren Stadtteil.“ Dann ist die erhoffte Begegnung schon vorbei.

Doch der Präsident ist ja nicht der einzige Promi an diesem Abend. Da Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr als Partnerland des Festes fungiert, ist auch dessen Ministerpräsident Armin Laschet vor Ort, trotz der Hitze im schwarzen Anzug. Mit ihm ist es nicht so schwer, ins Gespräch zu kommen. „Ich kenne Mannheim“, erzählt der Mann, der zuweilen schon als Kanzlerkandidat der Union gehandelt wird. Mannheim habe den Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsstadt gemeistert, lobt er und fügt schnell noch, ganz Landespolitiker, hinzu: „Wie wir in Nordrhein-Westfalen!“

Auch Norbert Lammert, der frühere Bundestagspräsident, kennt Mannheim: „Ich war schon mehrmals dort“, erinnert er sich: „Zuletzt 2017 im Stadttheater.“ „Nationaltheater!“ korrigiert Vogt mit gespielter Empörung: „Ach, Entschuldigung, natürlich!“, entgegnet Lammert mit ebenso gespielter Demut. Und beide müssen lachen.

In einer Ecke des Parks erspäht Vogt den Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, und Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer von der CSU. Foto auch mit denen? „Muss nicht sein“, winkt er lachend ab.

Doch nicht nur die Promis kennen Mannheim, auch viele Betreiber der Stände. Etwa beim Verband der nordrhein-westfälischen Brauereien. „Ich war fünf Jahre bei einer Brauerei in Stuttgart tätig“, erzählt ein Braumeister: „Daher kenne ich alle Brauereien in Baden-Württemberg, natürlich auch die Eichbaum – ein gutes Bier“, lobt der Fachmann.

Inzwischen ist es schon spät am Abend. Auf der Bühne besingt gerade Lena ihren „Satellite“, da begegnet Vogt erneut Steinmeier. Seit fünf Stunden ist dieser nun unterwegs, inzwischen mit Jackett über dem Arm und ohne Krawatte, aber immer noch mit einem netten Wort für jeden Gast. „Er wirkt viel freundlicher als im Fernsehen“, staunt Vogt.

Erkenntnisse wie diese machen den Besuch für Vogt zum Erlebnis – zum Ende seiner Amtszeit. Denn im Oktober will er den Vorsitz nach sechs Jahren abgeben – „aus Altersgründen“, scherzt der 30-Jährige.

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