Mannheim

„Guckt mal nach oben!“: Aktivisten harren aus

Archivartikel

Mannheim.Von unserem Redaktionsmitglied Louis Rauert

Wer am Samstag über die Krefelder Straße am Kreisverkehr direkt am Kohlekraftwerk Mannheim in Richtung des Rheins blickt, dem sollten sofort die auf den Boden geschriebenen Worte ins Auge fallen. Dort steht: „Guckt mal nach oben!“ Und tatsächlich: In luftiger Höhe sind mehrere Demonstranten des Bündnisses Ende Gelände am Werk. Sie stehen am Geländer der Kohleförderanlage und diese kann durch die Blockade der Aktivisten das Kraftwerk nicht mehr mit Steinkohle versorgen. „Wenn die internen Kohlespeicher gefüllt sind, dann halten die Reserven für 12 Stunden. Unsere Blockade dauert allerdings schon länger. Das heißt, es kann gut sein, dass das Kraftwerk mittlerweile ausgeschaltet ist“, erklärt Philipp Bergmann, Pressesprecher der Aktion um 16 Uhr. Wie lange die Aktivisten dort oben ausharren könnten, kann er nicht sagen.

Das Budget an Kohlenstoffdioxid reiche noch für zwei Jahre, danach könne die Erderwärmung nicht mehr unter 1,5 Grad gehalten werden, so Bergmann. Daher fordere das Bündnis die Regierung auf, sofort zu handeln und sämtliche Kohlekraftwerke so schnell wie möglich abzuschalten. Bis 2030 müsse Deutschland vollständig klimaneutral sein. Das Mannheimer Kraftwerk sei als größtes Steinkohlekraftwerk Deutschlands dasjenige mit dem höchsten CO2-Ausstoß und somit extrem umweltschädlich.

Seit 5.20 Uhr morgens blockieren die Aktivisten von Ende Gelände außerdem den Haupteingang des Kraftwerks. Hier können weder Fahrzeuge aus- noch einfahren. Ausgestattet mit Isomatten und Schlafsäcken sei man bereit, bis in den Abend hinein dort auszuharren, betont ein Aktivist, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte. Die Sitzblockade stifte durchaus Aufmerksamkeit, erklärt er: „Es kommen viele Leute vorbei, die uns Mut zusprechen und unterstützen. Einige haben uns sogar bereits mit Essen versorgt. Allerdings gibt es natürlich auch genau die gegenteilige Meinung. Aber auch für diejenigen, die unsere Aktion nicht gut finden, machen wir das.“

Ein Mannheimer Fahrradfahrer, der aus den sozialen Medien von der Blockade erfahren hat fährt einmal um das Kraftwerk herum und macht sich selbst ein Bild von der Lage. „Ich finde es tapfer von den jungen Leuten. Sie denken nach vorne und an die nächsten Generationen.“

Auch die Polizei ist seit Beginn der Aktion mit einer zweistelligen Zahl von Einsatzkräften vor Ort. Pressesprecher Michael Klump sagt, die Aktion sei bis hierhin friedlich verlaufen. Man müsse abwarten, was der späte Nachmittag noch bringt. Aktiv eingeschritten ist die Polizei bislang nicht.