Mannheim

Heiligabend Rund 350 Gäste feiern in der Citykirche Konkordien die offene Weihnacht / Viele Helfer mit im Einsatz

„Gut, einen Freund zu haben“

Archivartikel

Rund 350 Menschen haben bei der offenen Weihnacht die Citykirche Konkordien besucht. Die Feier richtet sich an Heiligabend an „Traurige, Fröhliche und alle allein Gebliebene“. So ist es wenig erstaunlich, dass sich in diesem Jahr viele einfanden, die einfach nicht alleine zu Hause feiern wollten. So wie Eva-Maria Golß, die sagt: „Was soll ich allein zu Hause. Da komme ich doch lieber hierher. Hier kann ich mich unterhalten.“ Als sie das sagt, stimmen ihre Tischnachbarn zu. Ihnen geht es genau so. Gerade wird ihnen von einer Helferin Braten mit Kartoffelgratin, Knödeln und Gemüse serviert. „Es schmeckt außerdem sehr gut. So viel bekomme ich nicht jeden Tag zu essen“, ergänzt da Tischnachbar Andreas Tomeier.

Der Kirchenälteste Andreas Landin hat zu Beginn alle Hände voll zu tun, um die über 60 Helfer einzuteilen. Nach der Christvesper packen die Freiwilligen, darunter einige, die schon seit Jahren diese Aktion unterstützen, mit an: Stühle müssen wegtransportiert werden. Tische hereingetragen. Es dauert nur knapp eine halbe Stunde, und die Kirche ist in einen festlichen Saal verwandelt.

Es werden Plätzchen auf die Tische gelegt, und mancherorts verschwinden sie schneller, als man schauen kann. „Für mich war es ein Bauchgefühl. Ich hatte mir vorgenommen, etwas Gutes zu tun. Da war das hier eine gute Gelegenheit“, erzählt eine Helferin. „Von uns ist die ganze Familie hier und macht mit“, freut sich Sandra Schmitt, die Kartoffelgratin auf die Teller schöpft. Daneben steht Murad Shavgar an der Bratenausgabe. Er verteilt Fleisch und Soße auf die Teller: „Eigentlich bin ich ja Moslem. Aber diese Aktion ist für alle Menschen gedacht. Da spielt der Glaube keine so große Rolle. Ich wollte schon immer einmal dabei sein und helfen.“

Etwas Vernünftiges tun

Oder eine andere Freiwillige, die sich als Helga vorstellt: „Ich helfe jetzt das zweite Mal an Weihnachten. Was soll ich daheim machen? Ich habe keine Familie mehr.“ Sie nimmt zwei volle Teller in die Hand und verteilt sie an einem Tisch, wo sie erwartungsvoll in Empfang genommen werden. Matthias und Priscilla kommen aus Schriesheim, um bei der Weihnachtsfeier zu helfen. Sie spült in der Küche gebrauchtes Geschirr, er trägt Teller an die Tische. „Wir wollten schon im letzten Jahr mitmachen. Aber das zerschlug sich. Jetzt hat es endlich geklappt“, sagen die beiden zufrieden. Denn mehr als Kuchen und Plätzchen zu essen, könne man zu Hause schließlich auch nicht machen. „Da bietet es sich doch an, in der Citykirche etwas Vernünftiges zu tun“. Und auch Michael Felies freut sich über seinen Einsatz: „In unserem Betrieb wurde in diesem Jahr alles an soziale Einrichtungen gespendet. Die Kunden erhielten keine Geschenke. Da kam dann doch ein ordentlicher Betrag zustande, mit dem doch Einiges bewegt werden konnte. Es tut einfach gut, anderen zu helfen“, sagt er überzeugt. Und er weist darauf hin, dass er überrascht sei, wie viel Not in einer Stadt wie Mannheim herrsche. Da sei es überraschend, dass nur so wenig geholfen werde. Pfarrerin Ilka Sobottke hat zuvor eine Christvesper gefeiert, die die Kantorei unter der Leitung von Heike Kiefner-Jeseko musikalisch umrahmt. An der Orgel spielt Ulrich Hörcher. Ein Sahnehäubchen, quasi als Nachtisch, servieren Gerburg Maria Müller und Uli Krug nach dem Essen. Auf der Blockflöte und dem Susafon spielen sie Weihnachtslieder, bei denen einige mitsingen. Am Ende singen sie das Lied „Es ist gut, einen Freund zu haben, einen so wie dich.“ So mancher geht anschließend nachdenklich, aber zufrieden nach Hause.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

Zum Thema