Mannheim

Bildung Protest gegen Ende des muttersprachlichen Unterrichts auf dem Waldhof motiviert griechischen Elternverein / Metropolit Augoustinos appelliert an Ministerin

„Gut integrierte, engagierte Menschen enttäuscht“

Der Protestzug hat Konstantinos Cafaltzis motiviert: Seit Monaten kämpft er gegen die Entscheidung des Kultusministeriums, den muttersprachlichen Griechisch-Unterricht an der Waldhofschule nach 42 erfolgreichen Jahren einzustellen. Jetzt weiß der Vereinsvorsitzende der „Eltern und Erziehungsberechtigten der griechischen Schule“, dass Hunderte ihm öffentlich den Rücken stärken. Fünf Tage nach der Demo in der Mannheimer Innenstadt ist er noch immer von der Stimmung begeistert – dieser Mischung aus „Freude über die Gemeinsamkeit“ und der „Einheit im Protest“.

„Ich möchte jetzt noch intensiver die griechischen Politiker involvieren“, blickt er in die Zukunft – etwa durch eine Bitte an die griechische Kultusministerin, bei ihrer baden-württembergischen Kollegin Susanne Eisenmann (CDU) zu intervenieren. Mehrere geistliche Oberhäupter der griechisch-orthodoxen Kirche haben das bereits getan – darunter der höchste Vertreter der Kirche auf deutschem Boden, Metropolit Augoustinos.

Er bedankt sich zwar für die Bereitschaft, das als „Schulversuch“ deklarierte Modell nicht abrupt, sondern über vier Jahre hinweg auslaufen zu lassen. Aber zugleich möchte er Eisenmann umstimmen. Das Modell sei „ein Glücksfall für alle Beteiligten“ – zumal sich die zugehörige Kirchengemeinde im gleichen Stadtteil befinde und die Kirche „für Schulgottesdienste aller Kinder zur Verfügung“ stehe. Mit einem Ende des muttersprachlichen Unterrichts, so Augoustinos an Eisenmann, „werden Sie sicherlich viele gut integrierte und engagierte Menschen enttäuschen“. Aber gerade solche Menschen brauche das Land.

Schon vor Weihnachten hat die Kultusministerin mehrere weitere Briefe bekommen, unter anderem von Konstantinos Cafaltzis, dem SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Fulst-Blei und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Nikolas Löbel. Sie alle fordern ein Umdenken in Stuttgart und laden Eisenmann ein, sich vor Ort ein Bild zu machen.

Antwort ausgeblieben

Cafaltzis hat nach eigener Aussage keine Antwort erhalten, Fulst-Blei inzwischen schon. Darin geht Susanne Eisenmann auf die Einladung nicht ein. Sie hebt dagegen die „Sonderstellung“ hervor, die der Schulversuch auf dem Waldhof habe. Das sei „auch gegenüber allen anderen Schulen und Nationalitäten in Baden-Württemberg nicht gerechtfertigt“. Der Versuch sei nicht eingerichtet worden, „um Vielfalt zu fördern oder das gesellschaftliche Leben zu bereichern, sondern Kindern die griechische Sprache so intensiv zu ermöglichen, damit sie problemlos wieder in ihr Heimatland zurückkehren können“. Diese Situation sei schon lange nicht mehr gegeben.

„Ich finde es bemerkenswert, dass auf die qualitativ hochwertige Arbeit der Schule überhaupt nicht eingegangen wird“, kommentiert Fulst-Blei das dreiseitige Schreiben aus Stuttgart. „Ärgerlich“ sei auch, dass Eisenmann Gespräche mit den Betroffenen aufs Regierungspräsidium verlagert habe.

Dessen Abteilungspräsidentin Anja Bauer hat sich inzwischen mit Konstantinos Cafaltzis getroffen. Das fast dreistündige Gespräch, bilanziert er, sei in sehr positiver Atmosphäre verlaufen. Allein: Einer Lösung sei man dabei nicht nähergekommen.

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