Mannheim

Amtsgericht Mannheim Angeklagter zieht Einspruch gegen Strafbefehl zurück

Gutachter bestätigt Raser-Fahrt

Archivartikel

Dieser Prozess am Amtsgericht hätte noch ordentlich Fahrt aufnehmen können. Letztlich aber zog der Angeklagte zumindest in der Verhandlung gerade noch rechtzeitig die Handbremse und nahm doch den Strafbefehl an. Nun muss der 24-jährige Mannheimer 90 Tagessätze á 50 Euro zahlen und neun Monate auf seinen Führerschein verzichten. Zur Verhandlung geladen war er, weil er gegen den Strafbefehl zunächst Einspruch eingelegt hatte.

Kontrolle verloren

Staatsanwalt Sascha Reinhard beschrieb im Gerichtssaal erneut den Vorwurf. Demnach war der Angeklagte in der Nacht zum 2. April 2018 mit seinem BMW auf der Mannheimer Straße unterwegs, und zwar „mit dem Ziel, die höchstmögliche Geschwindigkeit zur erreichen“, so zitiert Reinhard aus dem Schriftsatz. Die Kurve in die Rollbühlstraße habe der 24-Jährige mit 60 Stundenkilometern genommen, dabei sei das Heck ausgebrochen und er habe nur knapp eine Verkehrsinsel verfehlt. Auf gerader Strecke beschleunigte er seinen Wagen und raste mit 90 Stundenkilometern über die Fahrbahn, dabei verlor er die Kontrolle über den Wagen und krachte mit 70 Stundenkilometer auf einen geparkten Clio, der wiederum auf zwei weitere Fahrzeuge aufgeschoben wurde. Die Bilanz, laut Anklage: Totalschaden am BMW sowie 18 000 Euro Fremdschaden. Der Vorwurf des Staatsanwalts: Gefährdung bei verbotener Fortbewegung im Straßenverkehr.

Der 24-Jährige, der in Deutschland geboren, aber türkischer Staatsbürger ist, arbeitet bei der Stadt als Straßenreiniger und lebt bei seinen Eltern. Von dort aus sei er auch in der Nacht mit seinem Wagen gestartet, berichtete der 24-Jährige am Freitag im Gerichtssaal, auf „höchstens 65 Stundenkilometer“ habe er beschleunigt. Sein Kumpel sei vorweg gefahren. „Aber wir haben uns kein Rennen geliefert“, betonte der Mannheimer. Er sei in keinem Fall ein unverantwortlicher Raser, schob seine Anwältin hinterher. Der Unfall sei passiert, weil ihm eine Katze in den Weg gelaufen sei. Und noch eins ließ der Angeklagte Richter Tobias Fritz wissen: „Ich hab mir bisher noch nie etwas im Straßenverkehr zu Schulden kommen lassen.“

Die Abschriften über drei Einträge angelte der Vorsitzende daraufhin aus der Akte, verlas das Gutachten, das die Geschwindigkeit der Anklage bestätigte, und zeigte sich schon zu diesem Zeitpunkt ungehalten über das Aussageverhalten des Angeklagten. Noch deutlicher wurde er nach der Vernehmung eines Zeugen, der beschrieb, in besagter Nacht das Autorennen beobachten zu haben. „Ich sag’ Ihnen mal ganz ehrlich, das wird hier deutlich schlechter ausgehen, als im Strafbefehl“, kündigte Fritz schließlich an, dem schloss sich auch der Staatsanwalt an. Wenige Minuten brauchte es, bis schließlich feststand, dass der Angeklagte den Einspruch zurückzieht. Kurve gekriegt. Gerade noch. abo

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