Mannheim

40 Jahre Forum Mareike Bundschuhs vielseitiges Engagement im Jugendzentrum beeinflusste auch die Wahl ihres Studiengangs

„Habe mich dort kennengelernt“

Dass Mareike Bundschuh nie weggegangen ist aus Mannheim, das liegt auch am Forum. Dem Jugendkulturzentrum in der Neckarstadt-Ost, das in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert. Denn als Schülerin fand sie Mannheim „blöd und hässlich“. Dann, in der Abizeit, lernte die junge Frau, die auf dem Scharhof im Norden aufgewachsen ist, immer neue Orte ihrer Heimatstadt kennen – und das Forum. „Wenn man dort ist, sieht man auch, was Mannheim alles hat und welche besonderen Menschen es hier gibt“, findet die 27-Jährige.

Anfangs waren es Konzerte gegen Rechts und politische Veranstaltungen, die sie ins Jugendkulturzentrum an der Neckarpromenade zogen. Weil Freunde im Augenblick-Theater, einer früheren Gruppe des Forums, aktiv waren, spielte auch sie mit. „Die beste Entscheidung, die ich treffen konnte“, findet sie. Man sei dort von vorneherein Teil der Gruppe, werde wertgeschätzt. „Das zu spüren, war krass – und hält bis heute an.“

Im Forum ist sie aktiv, ist sie kreativ. Probiert vieles aus: hat eine Schreibgruppe gegründet, in der manche fiktive Texte schreiben, andere an ihrer Hausarbeit für die Uni. Mareike Bundschuh gehört zum Hörbuchkollektiv und organisiert inzwischen die transkulturelle Reihe „Essenzzeit“, bei der ganz unterschiedliche Menschen zum Kochen, zum Essen und zu Gesprächen zusammenkommen.

Die junge Frau gehört auch zur „Upcycling Ma:fia“, dort entsteht Neues aus Altem – oder gebrauchte Kleidungsstücke werden beispielsweise durch Näharbeiten oder Aufdrucke aufgewertet. Auch das hellgrüne T-Shirt, das Mareike Bundschuh beim Treffen trägt, hat sie im Forum selbst gestaltet: „Do it right, do it together“ steht drauf – „macht es richtig, macht es zusammen“ – in mehrfacher Ausführung. Die auffällige Brille der jungen Frau trug früher ihr Großvater.

Mareike Bundschuh studiert im dritten Semester Soziale Arbeit in Ludwigshafen. Vieles, was sie jetzt an der Hochschule lernt, hätte ihr früher im Forum geholfen, sagt sie. Andererseits kann sie vieles, was sie in der Theorie erfährt, durch ihre Erfahrung auf die Praxis übertragen. Die Projektarbeit liegt ihr, weil sie „ständig etwas anderes machen kann“. Zweimal pro Woche geht sie im Schnitt ins Jugendkulturzentrum, aber es gab auch schon Wochen, in denen sie täglich dort war.

Schüchternheit abgelegt

Die Mannheimerin spricht begeistert von dem Netzwerk, von der Sinnhaftigkeit der Projekte, von der soziokulturellen und ästhetischen Bildungsarbeit. Von der Offenheit, dem „Willkommensein und Ernstgenommenwerden – egal, wie man ist“. „Ich habe mich selbst dort besser kennengelernt“, sagt sie. Sie habe die Schüchternheit abgelegt, sei zu einem viel gefestigteren Menschen geworden. „Da hat Birgit Thomas, die Theaterpädagogin, viel mit zu tun.“

Ob es auch Dinge gibt, die sie dort stören? Mareike Bundschuh überlegt eine ganze Weile. „Es sind immer dieselben Leute, die viel machen.“ Und eine weitere Sache beschäftigt sie: Von außen werde die Arbeit des Forums nicht ausreichend wahrgenommen. Das Haus sei zwar als Jugendkulturzentrum bekannt. „Aber es steckt so viel mehr dahinter: Projektarbeit, Konzeptarbeit, offenes kritisches Denken. Ich glaube, das wissen viele gar nicht.“

Mareike Bundschuh wohnt nur wenige Hundert Meter entfernt vom Jugendzentrum Forum, in einer Wohngemeinschaft am Neuen Meßplatz. Neckarstadt-West, sagt sie. Andere zählen es noch zum östlichen Teil. Sie lebt dort gemeinsam mit drei Mitbewohnern, „aber meistens sind mehr Leute da“.

Im Augenblick-Theater hat sie auch eine Freundin „im Arbeitskontext“ besser kennen und schätzen gelernt. Schon als sie jung waren, haben sie sich überlegt, „selbst mal ein Zentrum zu eröffnen, zu dem jeder kommen kann. Am liebsten eine Baumhauskolonie.“ Mareike Bundschuh lacht. „Aber irgendwie habe ich das Gefühl, wir verfolgen das immer weiter.“ Das Forum begleitet sie dabei: „Dort hatte ich die Möglichkeit, in einem sehr geschützten Raum von der Teilnehmerin zur Projektleiterin zu werden.“