Mannheim

Hochschulpolitik Rektor mahnt bessere Finanzierung an / „Die lassen uns in einer Weise hängen – das ist unglaublich“

Heftige Kritik an der Landesregierung

Mit äußerst scharfer Kritik an der Landesregierung hat Rektor Thomas Puhl das Schlossfest der Universität eröffnet. Als „grausam“ und „Diktat“ bezeichnete er vor Absolventen das Verhalten der Stuttgarter Koalition in den Gesprächen über einen neuen Hochschulfinanzierungsvertrag ab 2021. „Die lassen uns in einer Weise hängen – das ist unglaublich“, beklagte der Rektor.

Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen der Universitäten mit der Landesregierung über einen neuen Finanzplan für fünf Jahre ab 2021. Seit 1998 hätten die Universitäten trotz steigender Kosten pro Student und Jahr 33 Prozent weniger Geld zur Verfügung, was pro Kopf 3540 Euro bedeute, rechnete er vor. „Aber die machen uns nicht einmal ein Angebot“, obwohl die Zeit dränge, so der Rektor. Von „massiven Sorgen“ und „Frust hoch drei“ sprach er später beim offiziellen Empfang vor dem Schlossfest. Zugleich kündigte er an, er werde einen Vertrag, der keine auskömmliche Finanzierung ermögliche, nicht unterschreiben. „Dann soll das Land eben anordnen“, so der seit elf Monaten amtierende Rektor verbittert.

„Fröhlich“ stimme ihn dagegen die Situation der Mannheimer Uni. „Wir sind über alles einfach klasse“, fasste er das gute Abschneiden in mehreren Rankings zusammen. Das beziehe sich nicht allein auf die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, sondern auf alle Fächer. Von den weltweit 1258 Universitäten im „Times Higher Education Ranking“ belegt die Schlosshochschule Platz 123 weltweit, im deutschlandweiten Vergleich Platz 11: „Wir gehören also zu den Besten weltweit!“

Erfolge bei der Forschung

Auch die Internationalisierung komme voran. Inzwischen stammten über 20 Prozent der derzeit 12 000 Mannheimer Studenten aus dem Ausland. Zudem sei Mannheim beteiligt an der Gründung eines europäischen Universitätsnetzwerks.

„Großartige Erfolge“ habe die Universität auch in der Forschung erzielt, so Puhl. Dabei verwies er etwa auf den Leibniz-Preis an die Mannheimer Ökonomin Michèle Tertilt „Das ist die höchste deutsche Auszeichnung, wie ein Nobelpreis!“), Forschungsprojekte zur Digitalisierung oder einen neuen Sonderforschungsbereich der Betriebswirtschaftlehre. Er widmet sich der Frage, ob Unternehmen genug Steuern zahlen und mit welchen gesellschaftlichen Kosten ihre Gewinne erzielt werden. „Wir forschen also nicht im Elfenbeinturm, sondern ganz aktuell“, betonte Puhl. Allerdings brauche die Universität dafür Platz, wolle ab 2022 ein neues Rechenzentrum in A 5 und ab 2023 im Friedrichspark bauen. Dabei sei er den Fraktionen im Gemeinderat dankbar, dass sie dies mittragen „und es nicht zum Teil des Wahlkampfs gemacht haben – das rechne ich ihnen hoch an“.

Als „großen Trumpf für diese Stadt“ bezeichnete Erster Bürgermeister Christian Specht die Universität. Sie sei „extrem wichtig“ nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch als Ort, wo junge Menschen für die Demokratie ausgebildet würden. Besonders mahnte er, der in dieser Form einmalige Lehrstuhl für Transportrecht dürfe nicht eingespart werden. „Das wäre verrückt, denn Mannheim ist Drehscheibe des Verkehrs“, so der Erste Bürgermeister.

Zum Thema