Mannheim

Erkennen Sie Mannheim? (Folge 143) Gesucht ist die Breite Straße / Erinnerungen an Fasnachtsumzüge und Lokale mit Tischtelefonen

Heimweh nach Kurpfälzer Ahoi

Mannheim.Es ist der Duft von frisch gebackenen Fasnachts-Kräppel, der dieses Mal fast alle Geschichten begleitet, die zur richtigen Lösung, der „Breiten Straße“ führen. Und Uta von Sohl ist eine der Leserinnen, die das historische Foto sogar mit ein wenig Wehmut erfüllt. Denn es erinnert sie an die Mannheimer Fasnachtsumzüge in den 50er Jahren, als sie noch in der Breiten Straße in einem der oberen Stockwerke wohnte: „Und wir über vier – im Freundeskreis besonders beim Umzug – heiß begehrte Fensterplätze verfügten.“

Begehrte Logenplätze

Mit solch einem Logenplatz in der ersten Reihe konnten die Eltern von Lutz Winnemann nicht dienen. Obwohl ein erhöhter Standort für ihn und seine kleinen Geschwister sicherlich praktisch gewesen wäre. Doch sein Vater wusste sich zu helfen: „Da Schulterreiten bei drei Kindern nicht möglich war, holte er kurzerhand unsere fünfstufige Leiter hervor und nahm sie mit zum Umzug. Das war sehr lustig.“

Auch Angelika Cooper muss lachen, wenn sie an die Fasnachtszeit denkt. „In den 60er Jahren war ich Teenager“, erinnert sich die Vogelstänglerin. Da wurden dann dem Vater weiße Hemden abgeluchst, ausgefranst und mit Namen von Rockbands beschriftet: „Dann kamen noch ein Stirnband oder Blumen im Hippie-Look ins Haar – und dazu gab’s natürlich Hosen mit superweitem Schlag.“

Doch neben dem Geschmack von Staubzucker und Erdbeermarmelade weckt das Rätselfoto bei vielen Lesern auch die Erinnerung an den Duft von frisch gemahlenem Kaffee: „Die Rösterei ist auf ihrer Abbildung hinter dem Motivwagen zu sehen. Dort durfte Manfred Syrer im Auftrag seiner Mutter ein mal pro Woche Bohnekaffee kaufen: „Ein Achtelpfund – mehr konnten wir uns nicht leisten. Der Kaffeesatz wurde nochmals aufgebrüht und dann zum Hosenfaltenbügeln eingesetzt, um den Glanz zu entfernen, wie Mutter immer sagte.“

Gezielter Gutsel-Wurf

Neben der Rösterei gab es auch eine Gaststätte. „Das Rondo“ erinnert sich Klaus Hiltscher. Als zehnjähriger Schuljunge wollte er auf dem Weg zur Schule unbedingt mal einen Blick hineinwerfen, denn er hatte gehört, dort gäbe es Tischtelefone: „Das gab es sonst nirgends in Mannheim.“ Die Putzfrau, die dort morgens gerade ihrer Arbeit nachging, hatte ein Einsehen mit ihm: „Und tatsächlich, auf jedem Tisch stand ein Telefon.“

Auch Marliese Palme verbindet mit der Lokalität samt Fernsprechapparaten lustige Erinnerungen an Live-Musik und Rock’n’Roll: „Das Rondo war ein Tanzlokal. Ich habe dort als ganz junges Ding sehr schöne Stunden erlebt.“

Bestens in Erinnerung sind Uta von Sohl nicht nur die Fasnachtsumzüge, sondern auch die Berliner, die ihre Mutter stets am Rosenmontag gebacken hatte – lange bevor die Familie an die Weser gezogen ist. „Und es gab ein Gebäck, das ich als Kind nie mit Namen nennen durfte. Das war zwar ungefüllt, schmeckte aber köstlich. Es hieß ,Nonnenfürzchen’.“ Dem vorbeiziehenden Zug hatte die gebürtige Mannheimerin zugejubelt und Papier-Luftschlangen geworfen.

Hin und wieder sei auch ein gezielt in die Höhe geworfenes, Gutsel durchs Fenster in die Wohnung ihrer Familie geflogen: „Wie unbeschwert haben wir alle damals den Umzug genossen. Da habe ich beim Betrachten des Rätselfotos fast ein wenig Heimweh nach einem Mannheimer Ahoi“, schreibt sie dem „MM“ – mit „herzlichen Grüßen aus dem faschingsfreien Nienburg“.