Mannheim

Soziales 180 Heimkinder aus Baden-Württemberg arbeiten beim Jugendforum einen Tag lang an Themen, die für sie wichtig sind

Heiß diskutiert: das Nutzen von Handys

Archivartikel

Sie leben in 23 Heimen in Baden-Württemberg und kamen ins Jugendforum, um ihr Zusammenleben zu optimieren und einen besseren Start ins Leben zu haben: 180 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren waren am Mittwoch im Katholischen Kinder- und Jugendheim St. Josef zu Gast und haben in Workshops an für sie wichtigen Fragen gearbeitet: Verhalten von Erziehern, Mobbing, Privatsphäre, die Nutzung des Handys, Taschengeld, Regeln in den Einrichtungen und das Leben danach waren dabei Themen. Die Teilnehmer kommen aus dem Heimbeirat, der je nach Größe der jeweiligen Einrichtung um die acht Personen zählt.

„Angst vor der Zukunft“

Die Mehrzahl der Workshops wurde von Jugendlichen geleitet, bei letzterem von Djamila. „Die meisten Jugendlichen haben Angst vor ihrer Zukunft. Aber wer richtig vorbereitet ist, kriegt das hin“, erklärt die 13-Jährige, die selbst Abitur machen möchte. Im Workshop wurden Aussagen der Teilnehmer gesammelt und sie sollen etwas lernen.

Zum Workshop über das Verhalten von Erziehern betonte Moderatorin Julia Zeilinger bei der Eröffnung des Jugendforums: „Da können wir mit Sicherheit einiges von euch lernen.“ Zwei weitere Moderatoren waren Jugendliche von St. Josef, und auch bei der Organisation des Forums waren laut Zeilinger Jugendliche aus dem Mannheimer Heim beteiligt.

Sie erklärte, dass bestimmte Themen immer wieder für die Jugendlichen wichtig sind: Bei Mobbing gelte es zu sensibilisieren und sich gegebenenfalls zur Wehr zu setzen. Jürgen Hoffmann, stellvertretender Leiter von St. Josef, nennt ein Beispiel: „Fotos von jemanden, der sich danebenbenimmt, werden in sozialen Medien veröffentlicht.“ WLAN und Handynutzung wird heiß diskutiert. Laut Hoffmann gab es in St. Josef die lockere Regel, dass ab dem Alter von zwölf Jahren nachmittags zwei Stunden Nutzung erlaubt ist.

Nach den Jugendforen habe sich der Heimbeirat zusammengesetzt und auf Initiative der jungen Leute ein feineres Regelwerk gemacht: Nun dürfen beispielsweise Jugendliche, die aus fernen Ländern stammen, das Handy über Nacht behalten. Grund: Dann sind Angehörige und Freunde erreichbar. Ältere ab 18 Jahren haben eigenes WLAN, das sie selbst finanzieren müssen und wo sie auch für Inhalte verantwortlich sind.

Dauerbrenner ist auch die Privatsphäre: Laut Hoffmann ist es beispielsweise in St. Josef die Regel, dass Erzieher zuerst anklopfen, wenn sie ein Zimmer betreten. Julia Zeilinger nennt als Beispiel Informationen, die in einer Gruppe vertraulich genannt werden, aber dann weitergegeben werden. Grundsätzlich gelte, dass viele der 23 Einrichtungen, aus denen Teilnehmer des Jugendforums kamen, die dort besprochenen Themen intern aufnehmen. Jürgen Hoffmann betont, dass sich das Jugendforum an die UN-Kinderrechtskonvention anlehne.

Einen zusätzlichen Workshop gab das Sozialministerium: In „Politik goes Jugendhilfe“ ging es darum, ob sich junge Leute ausreichend beteiligt fühlen, welche Unterstützung sie sich wünschen, wie sie an Informationen kommen und mehr. Marion Deiß erklärte dazu, dass der Leitsatz laute: „Starke Kinder und starke Jugendliche.“ Es gehe darum, ob die jungen Leute auf dem richtigen Weg seien und wie das Sozialministerium sie unterstützen könne.

Eltern besser einbinden

In einer weiteren Arbeitsgruppe nur für Erzieher ging es um die Ombudsstelle für die Beratung von Familien, Kindern, Jugendlichen und Fachkräften, die gleichzeitig externe Beschwerdestelle im Rahmen des Kinderschutzkonzeptes ist.

Sie wird bis zum Jahresende zusätzlich zum internen Beschwerdemanagement der Heime unter Federführung des Sozialministeriums von der Caritas als Projektleiter aufgebaut, die nächste ist in Heidelberg. Nur für Erzieher wurde auch besprochen, wie diese Eltern besser in ihre Arbeit einbinden können.