Mannheim

Mannheimer Puppenspiele Abenteuerreise für Kinder eröffnet Saison / Premiere am Sonntag

Hexe, Drache und Gespenst

Archivartikel

Der große Niklas und der kleine Geist – sie eröffnen am Sonntag mit einer so gar nicht bösen Hexe, vielen (aber nicht sieben) Zwergen samt König und einem Drachen die Saison der Mannheimer Puppenspiele. Die Abenteuerreise wendet sich als Premiere an Kinder ab vier Jahren – und natürlich an Mamas, Papas und Großeltern.

Vorstellungen für Mädchen und Buben unterhalb des Schulalters haben beim „Figurentheater im Quadrat“ (U 2, 2-5) Tradition. Vor drei Jahrzehnten gackerte erstmals Federvieh für die ganz Kleinen auf dem Spiel-Hühnerhof. Seitdem gehören „Knirpse-Stücke“ zum Repertoire. Um die Kleinen nicht zu überfordern oder im dunklen Zuschauerraum gar zu ängstigen, wird häufig eine offene Spielweise gewählt. Ursprünglich wollte Regisseur und Akteur Heinz von Neuenstein die Geschichte vom großen Niklas und dem kleinen Gespenst ebenfalls mit sichtbaren Puppenführern umsetzen. „Wir merkten aber, dass dies bei dem figurenreichen Stück nicht funktioniert.“ Und so entschied sich das Team eben für die klassische Guckkastenbühne.

Szenen-Umbauten vollziehen sich bei offenem Vorhang ganz bewusst gemächlich – „damit die Kinder währenddessen über das, was sie gesehen haben, sprechen können“. Und natürlich gibt es trotz Hexe und Drachen keine Gruseleffekte – schließlich ist der Ausflug ins Reich der Fantasie aufregend genug. „Wir beschränken uns auf 40 Minuten, weil eine längere Zeitspanne für Vierjährige zu viel wäre.“

Die Ära, in der über zwei Dutzend Akteure ein riesiges Repertoire ermöglichten – sie war einmal. „Wir haben uns gut geschrumpft“, resümiert Heinz von Neuenstein, der seit mehr als 50 Jahren den Mannheimer Puppenspielen verbunden ist, erst als jugendlicher Kulissenhelfer, dann als Bühnenakteur und schließlich Spielleiter. Seit der langjährige Rektor der Rheinau-Grundschule pensioniert ist, kann er wieder voll in seine Leidenschaft einsteigen.

„Koffer-Plauderei“ im Programm

Zum mittlerweile also verkleinerten Team gehört auch Tochter Anna von Neuenstein. Sie habe die Begeisterung fürs Puppenspiel „schon pränatal aufgesogen“, sagt die Psychologin selbst. Und Förderschullehrer Niko Vakalakis, der vor 25 Jahren von der Figurenwerkstatt zur Bühne fand, ist den Puppenspielen treu geblieben. Das Trio verleiht den Figuren in mehreren Inszenierungen eine Stimme und „bewegtes“ Leben. Auch wenn ein Kleinkinder-Stück die Saison eröffnet, so gibt es auch märchenhafte Erzählabende speziell für Erwachsene. Natürlich darf der Klassiker „Aus dem Koffer geplaudert“ mit Szenen und Anekdötchen nicht fehlen.

Die Art der Inszenierungen mag sich im Laufe von fast sechs Jahrzehnten gewandelt haben, unverändert blieb: Puppenspieler nehmen Figuren auf den Arm, um den Kopf und vor allem das Herz von Kindern zu erreichen.