Mannheim

Jesuitenkirche Gedenkgottesdienst für Helmut Kohl / Kondolenzbuch an Witwe überreicht

"Hier war er einer von uns"

Mannheim.Er hat oft hier gebetet - jetzt wollten viele Gläubige ein letztes Mal hier für ihn beten: Mit einem Gedenkgottesdienst in der Jesuitenkirche erinnerte der katholische Stadtdekan Karl Jung würdevoll an den vor vier Wochen verstorbenen ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, der dem katholischen Gotteshaus von Kindesbeinen an eng verbunden war.

"Dankbarkeit und Verbundenheit ausdrücken", wolle er, sagte Jung, der den Gottesdienst mit seinem Vorgänger Horst Schroff sowie Pfarrer Diego Oscar Elola gestaltete. Bei den Trauerfeiern in Straßburg und Speyer, so sagte Jung, habe man den Staatsmann von Weltrang gewürdigt. Heute gehe es darum, an den "gläubigen katholischen Christen und menschlichen Kurpfälzer" zu erinnern, der fest in seiner Heimat sowie dem katholischen Glauben verwurzelt gewesen sei. Dazu lag - wie im Speyerer Dom - auf allen Plätzen das Totenbild mit dem Romani-Guardini-Zitat "Dankbarkeit ist die Erinnerung des Herzens". "So hat er gelebt und seine Politik betrieben", betonte Jung und bezog das auch auf Kohls Verhältnis zur Jesuitenkirche. In deren Trümmern harrte er nach dem dem Zweiten Weltkrieg aus, da er abends keinen Passierschein mehr nach Ludwigshafen bekam - das lag in der französischen, Mannheim in der amerikanischen Zone. Danach kam er oft mit seiner Mutter aus Friesenheim. "Dann gab es für zehn Pfennig ein Eis, danach sind sie zurückgelaufen - das war das Sonntagserlebnis", wusste Jung.

Lohse würdigt "Erdung"

Daher sei es dem Einsatz von Kohl zu verdanken gewesen, dass die Jesuitenkirche zum nationalen Baudenkmal erhoben und die Restaurierung des barocken Hochaltars vom Bund gefördert wurde. Dafür erhielt Kohl 2006 die höchste Auszeichnung des Katholischen Stadtdekanats - die Prälat-Bauer-Medaille. "Er hat damals eine bewegende Rede gehalten, bei der ihm fast die Tränen gekommen sind", blickte Jung zurück. Zuletzt offiziell in der Jesuitenkirche war Kohl beim 250. Weihejubiläum im Jahr 2010. Aber er sei oft zum Gottesdienst gekommen, und er wollte dabei nie Polizei. "Wenn er die Messe mitgefeiert, wenn er gebetet hat, hier war er einer von uns", so Jung.

Seit dem Tod des früheren Kanzlers liegt ein Kondolenzbuch in der Kirche auf. Das erste Exemplar war schnell voll, Jung verlas daraus anrührende Sätze und Würdigungen vieler Menschen, die sich an Begegnungen in der Jesuitenkirche mit Kohl erinnerten oder ihm für die Einheit dankten. Dann überreichte der Dekan das Buch der Witwe, Maike Kohl-Richter, die "in den letzten Jahren mit Herz und Geist in Liebe da war für ihren Mann", so Jung. Kohl-Richter war mit engen Mannheimer Freunden sowie Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse zum Gottesdienst gekommen.

Lohse drückte ihr das tiefe Mitgefühl aus und erinnerte in einer kurzen Rede an die politischen Leistungen des ehemaligen Bundeskanzlers für die Deutsche Einheit, für Europa und den Frieden, aber auch an Kohl als Mensch und seine enge Bindung an die Kurpfalz. "Er war ein großer Sohn unserer Stadt, unserer Region, wir sind stolz auf ihn", so Lohse. Für seine weitblickenden Entscheidungen als Staatsmann habe Kohl in der Kurpfalz "die Erdung, die Kraft gezogen", sagte Lohse.

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