Mannheim

Politik Fraktionschefin Alice Weidel bei Festakt der AfD

Hitzige Töne zum Fünfjährigen

Archivartikel

Viele Besucher erheben sich und applaudieren, als Alice Weidel am vergangenen Samstagabend die Bühne im Feudenheimer Schützenhaus betritt: Der Mannheimer AfD-Kreisverband feiert sein fünfjähriges Bestehen – und die Vorsitzende der Bundestagsfraktion hat als Festrednerin zugesagt. Wenn die knapp 400 Besucher eine hitzige Rede erwartet haben, werden sie nicht enttäuscht.

Die Fraktionschefin teilt scharf aus – vor allem gegen die politischen Gegner. Als „Taugenichtse“ bezeichnet sie die Abgeordneten anderer Parteien. „Die haben ja nie richtig gearbeitet. Deswegen wissen die auch nicht, wie es ist, wenn man für andere Leute Steuern zahlen muss“, ruft Weidel in den Applaus der Besucher. Deutschland sei „zu einer Bananenrepublik verkommen“.

22 Mitglieder der ersten Stunde

Der Kreisvorsitzende Rüdiger Ernst hatte zu Beginn auf Höhen und Tiefen zurückgeblickt: Nach der Spaltung der Partei 2015 habe die Mannheimer AfD 40 Prozent ihrer Mitglieder verloren. 22 der aktuell mehr als 180 Mitglieder sind von Beginn an dabei. Acht von ihnen sind an diesem Abend im Schützenhaus und bekommen von Weidel eine Ehrenmedaille überreicht. So wie Horst Helmle. Er bezeichnet sich selbst als gemäßigt: „Deutschland braucht Zuwanderung“, sagt der ältere Herr, „aber wir müssen uns aussuchen, wer einwandert.“

Anders klingen die Töne, die der Karlsruher AfD-Bundestagsabgeordnete Marc Bernhard in seiner Rede anschlägt. Er behauptet, 2017 seien eine Million Zuwanderer nach Deutschland gekommen. „Deutschland soll neu besiedelt werden – das ist die Agenda der EU und der deutschen Regierung“, so Bernhard. Die deutsche Fußballnationalmannschaft sei gar keine Nationalmannschaft, sagt er noch: „Da spielen Spieler, die einen deutschen Pass haben, aber keine richtigen Deutschen sind.“

Draußen an der Feudenheimer Straße stehen rund 50 Gegendemonstranten in der Abendsonne. Auch die Polizei ist vor Ort – es bleibt aber ruhig. Sie werde auch gegen die AfD demonstrieren, wenn sie zehn Jahre bestehe, sagt eine Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte: „Die AfD bringt eine schlechte Stimmung nach Deutschland.“ fab