Mannheim

Hoffnung nur senfkornklein

Bei Kirchenmusikern eher gering geschätzt, dafür aber bei vielen Gottesdienstbesuchern beliebt ist das Lied „Kleines Senfkorn Hoffnung“ – einer der frühen Schlager der nicht mehr ganz so neuen „Neuen Geistlichen Lieder“. Textlich fasst das Stück das Beste der alltäglichen Begebenheiten aus dem Leben Palästinas zur Zeit Jesu zusammen, von denen er in seinen Gleichnissen erzählt: Aus einem kleinen Senfkorn wächst ein Baum, nur aus einem einzigen Funken kann ein großes Feuer entstehen, eine Münze kann – richtig eingesetzt – zum Vermögen werden. Wie in den vergangenen Wochen sind an diesem Sonntag die Gleichnisse Thema und er veranschaulicht mit ihnen seine zentrale Botschaft vom Reich Gottes.

Um in der Bildsprache der Gleichnisse zu bleiben: Meine inzwischen nur noch senfkorngroße Hoffnung, dass die Katholische Kirche zu Reformen fähig ist, hat in dieser Woche mal wieder einen herben Rückschlag erlitten. Am Montag hat die Kleruskongregation ein Schreiben veröffentlicht, mit dem der Vatikan den Gemeindereformen Grenzen setzt. Zentraler Punkt des Dokuments: Die Gemeindeleitung liegt weiterhin ausschließlich beim Priester, Laien bleiben davon ausgeschlossen – auch bei Priestermangel. Selbst der Verwendung des Begriffs „Leitungsteam“, wenn Priester und Laien gemeinsam Verantwortung übernehmen, wird darin eine Absage erteilt.

Eher Pestizid als Dünger

In verschiedenen Diözesen Deutschlands und darüber hinaus werden seit einiger Zeit unterschiedliche Formen der Gemeinde- und Pfarreileitung erprobt. Was das für diese Prozesse bedeutet, ist noch nicht abzusehen. Vermutlich sind die Äußerungen aus dem Vatikan aber eher Pestizid als Dünger für die zarten Pflänzchen der Mitbestimmung in der Katholischen Kirche.

Die zentrale Botschaft der Verkündigung Jesu war das Reich Gottes. Sein Handeln – beispielsweise sein Einsatz für Gerechtigkeit, die Heilungswunder, das Vorleben von Vergebung – und sein Lehren – beispielsweise die Botschaft von einem Leben nach dem Tod, das Liebesgebot, die Seligpreisungen – zielen darauf ab, diese Wirklichkeit Gottes anzukündigen und anfanghaft sichtbar werden zu lassen.

Römische Verlautbarungen wie in dieser Woche werfen für mich nicht nur die Frage auf, weshalb die Kirche so eifrig an ihrer Selbstabschaffung arbeitet, sondern auch: Was hat das eigentlich noch mit dem Reich Gottes zu tun? Jesus hat mit seinem Handeln und Lehren Menschen in seine Nachfolge berufen und fordert jeden Christen dazu auf, an dieser neuen Wirklichkeit mitzuwirken. Aber wie kann es denn dann sein, dass Menschen, die willens und fähig sind, seinem Beispiel zu folgen und verantwortungsvolle Aufgaben in der Kirche und für die Gemeinde zu übernehmen, einfach draußen gehalten werden? Mit Blick auf die jüngst wieder veröffentlichten Austrittszahlen kann sich die Katholische Kirche ein solches Verhalten nicht leisten – schon gar nicht, weil es ihrem Kernauftrag widerspricht.

Der Wille zur Veränderung scheint der kirchlichen Hierarchie völlig abhandengekommen zu sein. Die Hoffnung aber, dass sie zur Veränderung fähig ist, habe ich trotzdem noch nicht ganz aufgegeben – auch wenn diese Hoffnung dieser Tage nur noch senfkornklein ist.

Kathrin Grein, Pastoralreferentin der Seelsorgeeinheit Johannes XXIII. in Mannheim

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