Mannheim

New York Bundesverdienstkreuz an Samuel Adler überreicht

Hohe Ehrung für Komponisten

Archivartikel

Er hat in Amerika Karriere gemacht, ohne seine Heimatstadt je zu vergessen – obwohl er sie zwangsweise verlassen musste: Samuel Adler. Nun erhielt der in 1928 Mannheim geborene, in Amerika lebende jüdische Komponist Samuel Adler in New York das Bundesverdienstkreuz.

Sein Vater Hugo Chaim Adler war der letzte Kantor der jüdischen Gemeinden, bevor die Nationalsozialisten die Macht übernahmen und 1938 die Schrecken der Reichspogromnacht verübten. Gemeinsam mit ihm suchte der damals zehnjährige Samuel in den Trümmern der Synagoge nach Notenbüchern, wäre dabei fast erschossen worden. Dann floh die Familie. In New York studierte er Komposition bei Paul Hindemith. Dann wurde Adler selbst einer der bekanntesten und bedeutendsten Komponisten unserer Zeit, der weltweit über 400 Werke, darunter fünf Opern, veröffentlichte.

Bereits 1952 kehrte er als US-Soldat nach Mannheim zurück. Er organisierte mit einem von ihm gegründeten Orchester der 7. US-Armee ein Benefizkonzert mit eigenen Musikstücken, um den Wiederaufbau des Rosengartens zu unterstützen. 1975 komponierte er eine Suite für die Bundesgartenschau, zum Stadtjubiläum 2007 steuerte er „Long may she prosper – Lebe lang und glücklich“ bei, uraufgeführt von der Mannheimer Bläserphilharmonie.

Das von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehene Bundesverdienstkreuz überreichte Adler der deutsche Generalkonsul David Gill in New York. Mit dabei war auch der Bundestagsabgeordnete und Stadtrat Nikolas Löbel. Ohnehin gerade für den Bundestag auf Dienstreise in New York, überbrachte er in Abstimmung mit Oberbürgermeister Peter Kurz die Glückwünsche der Stadt und ein Buch über den Neubau der Kunsthalle – eine Überraschung für den Komponisten, dass an der Zeremonie ein Vertreter seiner Heimatstadt teilnahm.

Eine Hymne für 2023?

„Ein bewegender Moment“, so Löbel über „die beeindruckende Persönlichkeit, den großartigen Komponisten und bekennenden Botschafter Mannheims“. Er habe den 90-Jährigen „auch gleich aufgefordert, sich das Jahr 2023 und die nächste Bundesgartenschau vorzumerken. Vielleicht schreibt er wieder eine Suite zu Ehren seiner Stadt. Er hat aber nur gelacht“, so Löbel.

Samuel Adler wird im Juni dieses Jahres nochmals in Mannheim geehrt. Am 24. Juni organisiert die Jüdische Gemeinde mit Unterstützung der Stadt ein Konzert mit den berühmtesten Stücken Adlers. Dann kehrt er nach vielen Jahren zurück an den Ort, an dem alles begann: die Jüdische Gemeinde. pwr