Mannheim

Rettungsdienst Besatzung von Hubschrauber „Christoph 53“ hat Spezialschulung für tiefe Verletzungen absolviert / Vorreiter in Deutschland

Hohen Blutverlust schneller stoppen

Archivartikel

Sie sind die Ersten in Deutschland: Ob Messerattacken, Unfälle beim Sport oder auf Baustellen, bei denen spitze Gegenstände in den Körper eindringen – das Team des Rettungshubschraubers „Christoph 53“ kann künftig besser helfen. Alle 14 Notärzte und drei Notfallsanitäter der Station Neuostheim der DRF Luftrettung sind jetzt speziell für die sogenannten penetrierenden Verletzungen, etwa im Bauchraum, geschult.

Das Mannheimer DRF-Team machte den Anfang dank einer Kooperation mit dem Uniklinikum Heidelberg. Nach den hier gesammelten Erfahrungen sollen Schritt für Schritt auch die Besatzungen an den anderen, bundesweit 29 Stationen der DRF geschult werden.

„Als Vorreiter ist es uns ein Anliegen, dass nicht nur die Menschen in der Region Mannheim davon profitieren, sondern mittel- und langfristig alle Patienten“, so Jörg Braun, Fachbereichsleiter Medizin der DRF. Im Gegensatz zu stumpfen Verletzungen, die etwa bei Verkehrsunfällen auftreten können, bedrohen in den Körper eindringende Fremdkörper das Leben meist unmittelbar, weil damit starke innere Blutungen verbunden sind. Die Hubschrauberbesatzungen lernten nun invasive, also in Organe eingreifende Techniken, um Patienten mit hohem Blutverlust vor dem Transport in die Klinik zu behandeln.

Nachts weiter blockiert

Wenn es gelinge, noch am Einsatzort innere Blutungen zu stoppen und das Herz zu entlasten, „können wir die Überlebensraten von Patienten mit derartigen Verletzungen erhöhen“, so Marcus Rudolph, Notarzt und Abteilungsleiter der DRF Luftrettung. Schließlich sei der Hubschrauber oft der schnellste Notarztzubringer und wiederum schnellstes Transportmittel in die Kliniken.

„Christoph 53“ ist seit 1. Juli 1986 am Mannheimer Flughafen stationiert. Seit 1996 ist er voll in die Notfallrettung integriert und hebt immer dann ab, wenn er das Rettungsmittel ist, dass den Notarzt am schnellsten zum Einsatzort bringt – in der Regel im Umkreis von 60 Kilometern. Im vergangenen Jahr wurde er zu 1290 Einsätzen alarmiert.

Allerdings darf er nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang starten. Braucht das Universitätsklinikum nachts einen schnellen Transport, ruft es „Christoph Thüringen“ aus Bad Berka, den Helikopter aus Nürnberg oder Gießen.

Daher forderte der SPD-Landtagsabgeordnete Boris Weirauch mehrfach, Mannheim zum 24-Stunden-Standort auszubauen – was die DRF auch gerne tun würde (wir berichteten). Allerdings liegt das Thema auf Eis: Im Auftrag des Stuttgarter Innenministeriums wird derzeit ein Gutachten zur Bedarfsplanung im Luftrettungsdienst in Baden-Württemberg erstellt – ehe das veröffentlicht ist, vermutlich erst am Jahresende, fallen keine Entscheidungen, so die DRF auf Anfrage.

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