Mannheim

Ernährung Krankheit bringt Mannheimerin auf Start-up-Idee / Backen für Allergiker und Diabetiker

„Ich kann strahlende Augen sehen“

Archivartikel

Wenn Christiane Bonkat von ihrer Leidenschaft, nämlich allerlei Süßes, erzählt, sprudelt es aus ihr nur so hervor. Die 39-jährige Mannheimerin produziert Brote, Kuchen, Cupcakes und Co für Allergiker und Diabetiker. 2013 gründete sie den Onlineshop „Love Me Cakes“, seit Januar 2017 backt sie in ihrem Laden in Mannheim.

Warum haben Sie Love Me Cakes gegründet?

Christiane Bonkat: Bei mir wurde vor zehn Jahren die Stoffwechselkrankheit Hashimoto diagnostiziert. Davor wurde ich plötzlich grundlos dicker, und dann begann eine lange Ärztereise, ich wurde nie ernstgenommen. „Das bildest du dir nur ein“, hieß es seitens der Mediziner. Es wurde auf meine Psyche geschoben. Ich habe kein Diät-Brot gefunden, das mir geschmeckt hat. Irgendwann habe ich angefangen, für mich glutenfreie Rezepte zu entwickeln. Und hier produzieren wir alles. Wir – ich und mein Assistent – backen glutenfreie, zuckerfreie, allergenfreie Backwaren. Alles, was man beim Bäcker findet, nur ohne Zucker, Gluten und Allergene.

Was haben Sie vor Love Me Cakes gemacht?

Bonkat: Ich habe Marketing in Mannheim studiert. Danach war ich im Vertrieb als Vertriebsmanagerin in Würzburg tätig. Damals habe ich im Büro meine selbst gemachten Cupcakes und Kuchen verteilt. Im Hinterkopf hatte ich lustigerweise immer: „Pass mal auf die Rezepte auf!“

Haben Sie das Start up neben ihrem regulären Job geführt?

Bonkat: Nein, das haben viele gefragt, weil so eine Bäckerei süß aussieht von außen. Aber das geht nicht. Gerade bei einem Start up ist es viel Arbeit, viel Energie, die man in seinen Betrieb investiert. Und jeder Tag ist anders. Mal läuft es nicht so gut, und man denkt sich: „Oh Gott, meine Existenz bricht zusammen.“ Dann hat man wieder viel zu tun und denkt: „Hoffentlich kann ich jetzt alle bedienen.“

Ein Start up zu leiten ist nicht immer so leicht, was motiviert Sie?

Bonkat: Wenn ich mal erschöpft bin, oder einen schlechten Tag hatte, baut mich die Resonanz meiner Kunden auf. Mir werden Blumen gebracht, ich bekomme nette Nachrichten. Das ist schön. Seit ich den Laden in Mannheim eröffnet habe, habe ich direkten Kundenkontakt. Ich sehe, bei wem das Produkt ankommt und kann strahlende Augen bei dem Käufer sehen.

Wer gehört denn in Ihre Zielgruppe?

Bonkat: Menschen mit Zöliakie, also einer Unverträglichkeit gegen das Weizeneiweiß Gluten, gehören zu unserem Hauptpublikum. Aber auch Kunden mit anderen Lebensmittelunverträglichkeiten wie etwa gegen Nüsse oder Ei. Zudem Diabetiker sowie Leute, die gesund essen wollen. Ich habe mittlerweile auch eine vegane Reihe entwickelt.

Welche Anlaufschwierigkeiten haben Sie erlebt?

Bonkat: Anfangs wusste ich nicht, wie ich das mit dem Gründen anstelle. Es tauchten viele Fragen auf: Wer ist mein Ansprechpartner? Muss ich zur Handwerkskammer, oder zur Industrie- und Handelskammer? Auch scheinbar einfache Dinge waren zunächst aufwendig. Wie die Suche nach Verpackungen für den Shop. Ich habe etwa 50 verschiedene Brottüten ausprobiert. Anfangs wurde ich durch einige Mehlmühlen über den Tisch gezogen, ich musste auch mal 5000 Euro für Produkte bezahlen, die ich später in die Tonne kippen musste, weil die Qualität nicht gestimmt hat. Bei solchen Fällen hat man es als Start up nicht leicht, kann sich nicht einklagen. Man hat keinen langen Atem und nicht genügend finanzielle Mittel.

Was muss man als Gründer mitbringen?

Bonkat: Man muss für seine Sache brennen. Ich habe zuvor jahrelang mit einer Erkrankung gelitten und wollte mir und anderen helfen. Wenn man keine Leidenschaft mitbringt, erträgt man die Zeiten nicht, in denen es nicht so gut läuft – und die haben wir nun mal alle, das wird jedes Start up bestätigen können.

Merken Sie als Frau Schwierigkeiten im Geschäftsleben?

Bonkat: Oft mischt sich Privates mit Business. Man wird zu Abendessen eingeladen, die als Geschäftstreffen getarnt sind. Frauen wirken wohl emotionaler, ihnen wird nicht so viel zugetraut wie Männern. Außenstehende denken sich möglicherweise „Sie kann zwar gut Kuchen backen, aber ist sie auch eine Geschäftsfrau?“ Frauen müssen sich beweisen und stärker durchsetzen.

Info: Dossier im Netz unter www.morgenweb.de/startup