Mannheim

Politik Kurz nach ihrem 65. Geburtstag sagt Bürgermeisterin Ulrike Freundlieb, dass sie keine neue Amtszeit anstrebt – Druck aus der SPD spiele dabei keine Rolle

„Ich schleiche nicht aus“

Mannheim.Keinen Zweifel möchte Ulrike Freundlieb an einer Feststellung lassen. „Ich mache das mit Herzblut“, sagt sie, und sie meint ihren Beruf als Bürgermeisterin. Sie sitzt in ihrem aufgeräumten Büro im Rathaus, hier gibt es einen orangefarbenen Schrank und orangefarbene Sitzkissen, sie selbst trägt einen orangefarbenen Schal. Die Farbe soll laut Ratgebern für Erfrischung und Energie stehen – Eigenschaften, die man auch Freundlieb zuschreiben kann. Dennoch: Im nächsten Jahr ist Schluss, noch einmal strebe sie das Amt als Bürgermeisterin für Familie, Kinder, Jugend und Gesundheit nicht an, sagt sie in dem Gespräch.

Ulrike Freundlieb ist kurz nach Ostern 65 Jahre alt geworden, als sie ins Amt kam, war sie 59. „Es ist nicht die Regel, dass Frauen in diesem Alter noch solche Führungsaufgaben angetragen werden“, sagt sie, dafür sei sie dankbar. Eine zweite Amtszeit würde sie tief in die 70er führen, ob sie da noch ihren Ansprüchen gerecht werden könne, wisse sie nicht. Druck aus der SPD? „Ich würde das nie als Druck empfinden.“ Anders gefragt: Gab es viele Anfragen von potenziellen Nachfolgern? „Nein, nicht viele.“ Stimmen die Gerüchte, die SPD wolle die Wahl eines Nachfolgers vor die Kommunalwahl vorziehen? „Da müssen Sie die SPD-Fraktion fragen.“

Druck vom ersten Tag an

Jetzt möchte Freundlieb über ihre laufende Amtszeit reden und darüber, was sie noch vorhat. An noch etwas möchte sie keinen Zweifel lassen: „Ich schleiche nicht aus, ich will mein Amt genauso engagiert wie bisher bis zum allerletzten Tag weiter ausfüllen.“ Zwar sei die Stadt auf einem guten Weg, zu tun gebe es aber noch genügend. Zum Beispiel bei der Kinderbetreuung. Freundlieb kam kurz vor der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz ins Amt, es fehlten viele Plätze in fast allen Betreuungsbereichen, Eltern organisierten sich, es gab Demonstrationen. „Ich habe diesen Druck vom ersten Tag an gespürt und mich dem auch verpflichtet gefühlt“, sagt Freundlieb. Die Stadt schaffte es, den Rechtsanspruch zu erfüllen und mit den freien Trägern viele Plätze zu schaffen. Am Ziel sei man aber nicht, räumt die Bürgermeisterin ein. Noch immer bekäme nicht jede Familie in jedem Stadtteil den Platz, den sie braucht oder sich wünscht. „Bis dahin wird es noch einige Doppelhaushalte benötigen.“

Aber die Stadt habe mit dem Anmeldesystem Meki zumindest einen sicheren Überblick über die Zahlen bekommen und Vergabekriterien eingeführt – „wir haben ein Stück weit Ruhe, Struktur und Transparenz ins System gebracht“. Das klingt alles so, als habe vorher Chaos geherrscht. „Nein. Es gab großen Handlungsbedarf und -druck durch den kurzfristig umzusetzenden Rechtsanspruch“, sagt Freundlieb.

Stadt könne nicht alles leisten

Transparenz und Verlässlichkeit, darum gehe es ihr. Worum es aber nicht gehen könne, sei, Eltern alle Wünsche zu erfüllen – „das kann die Stadt auf Dauer nicht leisten“. Es geht ihr dabei um die Frage, ob es sinnvoll ist, Ganztagsgrundschulen auszubauen und den Eltern gleichzeitig die Wahlmöglichkeit zu lassen, ihre Kinder in die Halbtagsschule und einen städtischen Hort zu schicken, um mehr Flexibilität zu haben. Das sei „nicht förderlich für Konzept und Zielsetzung der Ganztagsschule als Talentschmiede für alle Kinder“, sagt Freundlieb. Sie plädiert im Gegenteil dafür, dass die Stadt ein „intensives Mitspracherecht“ bei der Umwandlung von Schulen in Ganztagsschulen bekommt.

Und Freundlieb zählt weitere Felder auf, auf denen sie mit ihren Mitarbeitern – „ich mache das ja nicht alleine, wir arbeiten als ein Team“ – vorangekommen, aber noch nicht am Ziel sei. Etwa die Schulsanierungen, hier will sie das Tempo erhöhen. Fünf Jahre dauere es von der Idee bis zur Fertigstellung, zwei Jahre sind ihr Ziel. Möglichst weit wolle sie da kommen, genauso wie beim Neubau für die Stadtbibliothek auf N 2. Zudem läuft der Umbau der Verwaltung, zur Probe leitet derzeit ein einziger Mitarbeiter das Jugendamt und den Fachbereich Gesundheit. Es sei ein ergebnisoffener Prozess, bis Sommer soll eine Empfehlung vorliegen, dann wird entschieden. Viel zu tun bis Herbst 2019.

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