Mannheim

Igel sind Leidtragende illegaler Grünschnittlager

Berge an Grünschnittabfällen türmen sich auf den Rasenflächen der Sigmund-Schott-Straße. Zwischendrin blitzen gelbe und blaue Plastiksäcke hervor. Der Anblick erinnert stark an eine Mülldeponie. Zwei Mal im Jahr ist dieses Trauerspiel in Feudenheim zu beobachten. Im März und im November wird dann dort kostenlos Grünschnitt abgeholt.

Schon Wochen vor dem eigentlichen Abholdatum, laden Bewohner des gesamten Wohngebiets ihre Tüten und Säcke, inklusive kaputten Gartentöpfen und anderem Sperrmüll, an den öffentlichen Plätzen ab, statt sie auf ihrem Grundstück zu lagern – scheinbar getreu dem Motto „Aus dem Auge, aus dem Sinn“.

Die Folgen sind verheerend. Zu den kleineren Übeln gehört wohl noch das unschöne Aussehen der Müllberge: Mittlerweile sind die Mengen so groß, dass nur ein Bruchteil von den Müllfahrzeugen mitgenommen werden kann. Der Rest wird erst deutlich später abgeholt – oder bleibt liegen.

„Ich habe mich schon oft mit der Stadt und dem zuständigen Grünflächenamt in Verbindung gesetzt. Die meinen, man bräuchte größere Fahrzeuge, um das alles mitzunehmen. Die kommen aber nicht“, erzählt die Anwohnerin Stefanie Anschütz.

Obwohl der Stadt das Problem bekannt ist, scheint sie nicht zu handeln. Auf Anfrage des MM erklärt Pressereferent Kevin Ittemann: „Wir weisen jedes Jahr darauf hin, dass Grünschnitt am Straßenrand gebündelt und nicht in Kunststoffsäcken bereitzustellen ist. Und dies erst frühestens am Vorabend der Abholung.“.

Die Bereitstellung von Abfällen sowie Grünschnitt auf öffentlichen Grünflächen nicht zulässig. Dennoch seien der Stadt in diesem Fall die Hände gebunden: „Eine Verfolgung gestaltet sich als sehr schwierig, da die Verursacher nicht ermittelt werden können“ räumt Ittemann ein. Hier gelte es immer wieder an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger zu appellieren.

Stefanie Anschütz und ihre Nachbarin Christine Schröter kommen täglich an der betroffenen Fläche vorbei und konnten so das wirklich Traurige an dem Dilemma beobachten. „Die Leute fangen genau dann an, ihren Müll abzuladen, wenn Igel sich ihr Winterquartier suchen. Da die Gärten mittlerweile penibel lehrgefegt sind, nisten sie sich eben dort ein.“ berichtet Schröter.

Bei der Abholung des Grünschnitts würden die Igel oftmals verletzt oder sogar getötet werden. Einige verirrte Igel wurden bereits von Anwohner aufgenommen und werden nun versorgt.

Das Problem ist leider kein Einzelfall. Paul Hennze vom Naturschutzbund (NABU) erklärt: „Das beobachten wir in vielen Stadtteilen.“ Dadurch dass es in Gärten kaum noch Überwinterungsmöglichkeiten gebe und der Grünschnitt teilweise Wochen vor Abholung abgeladen werde, würden sich die Igel eben dort einnisten. „Wird ihnen auch das genommen, ist das meistens der sicheren Tod.“. Er bittet deshalb darum, Grünabfälle erst am Abend vor Abholung rauszustellen und einige Ecken im Garten für Igel herzurichten.

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