Mannheim

Erkennen Sie Mannheim? (Auflösung Folge 156) Hinter der Verhüllung verbirgt sich die Bonifatiuskirche / Gotteshaus spielt im Leben vieler Rätselfreunde eine wichtige Rolle

Im Gotteshaus getauft, gefirmt, geheiratet

Schwer war sie nicht gerade, die Folge 156 unseres Rätsels „Erkennen Sie Mannheim?“ – selbst wenn das Gebäude, um das es dabei ging, ja verhüllt war. Hinter den Planen, die Bauarbeiter – und keine Verpackungskünstler – vor die Fassade gehängt hatten, um den Sandstein zu reinigen, verbarg sich die Bonifatiuskirche. Wie sehr das Gotteshaus das Leben vieler Mannheimer geprägt hat, zeigt sich in den Erinnerungen, die uns die Rätselfreunde diesmal zugesandt haben. Sie handeln von Krieg und Wiederaufbau, von Doppelhochzeiten und Lego-Steinen – und von einem konfiszierten Kofferradio.

Kurt Wacker hat die imposante Kirche quasi sein ganzes Leben im Blick gehabt, von der Wohnung in der Karl-Mathy-Straße musste er 1943 mitansehen, wie das Gotteshaus nach einem Luftangriff brannte „und wie die große Kuppel eingestürzt ist“ und die Bänke unter ihren Trümmern lagen. „Später habe ich als Ministrant und in Jugendgruppen viele Jahre in Bonifaz verbracht“, schreibt er – sogar bei der Aufhängung nach neuen Glocken 1958 war er dabei.

Der „Mannemer Dom“

Monika Kern hat ebenfalls eine enge Beziehung zu der Kirche, schon ihre Eltern ließen sich hier trauen. „1960 wurde ich hier getauft, ging als Kind in den angegliederten Kindergarten, empfing die erste heilige Kommunion und wurde auch dort gefirmt.“ Später dann, 1982, heiratete sie selbst in St. Bonifatius, und obwohl sie längst in einem anderen Stadtteil wohnt, besucht sie noch heute die Gottesdienste dort.

Dorothea Helbich verbindet ebenfalls viele Erinnerungen mit der Kirche – unter anderem die an den schönsten Tag des Lebens: „Zusammen mit meinem Bruder haben wir eine Doppelhochzeit gefeiert, Pater Konstantin hat uns getraut.“ Wie eindrucksvoll der kuppelüberwölbte Bau nicht nur für die Mannheimer ist, wird aus der Zuschrift von Jürgen Schweighofer deutlich. Jedes Mal, wenn seine Oma aus Wiesbaden zu Besuch kam und man dann gemeinsam mit den Eltern in die Stadt fuhr und an St. Bonifatius vorbeikam, sagte die Großmutter stets „Ihr habt ja sogar einen Dom“ – „und wir mussten immer so lachen“.

Johannes Teuber wohnte 26 Jahre lang in unmittelbarer Nachbarschaft des Gotteshauses – und hat so einen gesunden Schlaf entwickelt: „Ich hatte mich mit der Zeit so an den Uhrenschlag und das Glockengeläut gewöhnt, das ich es am Sonntagmorgen, als ich als Schüler länger schlafen durfte, nicht mehr gehört habe.“ Und das Gebäude hat ihn sogar so fasziniert, „dass ich es mit Lego-Steinen nachbaute“.

Viele Gedanken verbinden sich mit den Franziskaner-Patres, die neben St. Bonifatius zu Hause waren und dort predigten. Marianne Schäfer etwa wurde 1975 von Pater Pankratius getraut, und auch Sabine Walter hat gute Gedanken, wenn sie sich an Predigten des Paters erinnert: Einmal habe er eine Schallplatte in zwei Teile zerbrochen. „An diesem Beispiel wurde anschaulich erklärt, dass ’gerecht’ nicht unbedingt heißt, dass jeder genau das Gleiche bekommen muss. Vielmehr muss jeder bekommen, was er braucht“. Denn sinnvoll sei es ja nicht, eine Platte in zwei gleich große Teile zu brechen.

Gerne denken die Mannheimer auch an Pater Konstantin zurück, der später ja den Bloomaul-Orden bekam – sehr zu recht“, wie Kirsten Jakob bemerkt. Martina Herbigs Tante Annemarie ging so gerne zu dem Pater in den Gottesdienst, und auch Siegmund Gehrig mochte ihn und seinen Ordensbruder Frohwien, bei denen er in der Wohlgelegen-Schule Reli-Unterricht hatte. Jürgen Beres denkt beim Thema Schulstunde mit Konstantin an den Samstag vor Fasnacht des Jahres 1961 zurück. Pater Konstantin nahm da „während des Religionsunterrichts mein Kofferradio weg, das ich in der letzten Bankreihe leise mit Karnevalsmusik angedreht hatte.“ Am Aschermittwoch freilich war alles vorbei – und der kleine Jürgen bekam sein Radio wieder zurück: „Ich habe Pater Konstantin längst verziehen.“

Auch für Gabriele und Franz Molitor ist St. Bonifatius eine besondere Kirche, schließlich haben sich die beiden dort „am 16. Mai 1981“ getraut. Offensichtlich wirkte der Segen, schließlich sind die beiden „immer noch verheiratet“, wie sie uns schreiben – und zwar mit folgender Bemerkung: „Das ist ja heutzutage nicht mehr selbstverständlich“.