Mannheim

Immer neu abwägen

Archivartikel

Konkrete Gründe hört man aus dem Rathaus nicht, warum das Jugendamt Anfang 2017 mehr Kinder in Obhut genommen hat als die Jahre zuvor. Von „natürlichen Schwankungen“ ist die Rede, was auch immer das heißen mag. Steigende Fallzahlen machen jedenfalls deutlich, dass die Verwaltung einen Blick auf die in Mannheim lebenden Kinder und Jugendlichen hat, die Unterstützung benötigen. Das Hilfsnetz der Quadratestadt ist eng geknüpft, auch die Kommunikation zwischen Jugendamt und Trägern der Jugendhilfe scheint zu funktionieren – soweit man das beurteilen kann. Das ist beruhigend. Und trotzdem müssen die Hinweise auf Personalmangel in diesem Fachbereich ernstgenommen werden.

Denn der Druck auf diesen Verwaltungsmitarbeitern ist hoch. Immer wieder müssen Fälle neu bewertet, Details über Probleme untersucht werden, damit kein Kind, kein Jugendlicher durchs Raster fällt. Es ist eine Aufgabe mit viel Verantwortung. Die Fachkräfte müssen nicht nur entscheiden, wann welche Hilfe nötig ist, sondern bestimmen auch, wann ein Kind in seiner Familie gefährdet ist. Dass Kinder oft nicht verstehen, warum sie in eine Pflegefamilie oder ins Heim müssen, schwingt immer mit. Darum ist auch das Abwägen der Situation besonders wichtig. Die Herausnahme muss die letzte Option sein, die allerdings im Zweifels- oder Notfall nicht zu spät kommen darf. Darum ist es eben besonders wichtig, dass es hier genügend Fachkräfte gibt.